Die Prediger seit 1426

Im Dienste des Herrn und der Gemeinde im Kirchspiel zu Kölzow - Liste der Prediger und PastorInnen

  • vor 1426

    Johann Thymo, Kirchherr zu Kölzow

    Copyright: Landesbibliothek Mecklenburg-Vorpommern

    1233 Kölzow erstmals urkundlich genannt
  • um 1426

    Matthias Wiltau, Vikar in Kölzow

  • 1493

    Johann Hauschild, Kirchherr zu Kölzow

    Da Herzog Heinrich IV. von Mecklenburg unter Geldmangel litt, verpfändete er am 16. Mai 1448 Marlow und Sülze an das Rittergeschlecht Claus und Vicke von der Lühe für »vefftenhundert lubschermargk«. Dazu gehörten das Schloß und das Land zu Sülze, die Wiek (Markt- und Wohnsiedlungen vor der Burg) zu Marlow, die Vogtei mit allem Zubehör, »met holtingen, velden, pachte, vischerien, watern, weiden vnde annderz, met aller herllchkeit und Gerechtigkeiten.« Ausgeschlossen war allerdings die Kirche! 1493 werden von Claus von der Lühe dem Kirchherren zu Kölzow Johann Hauschild 5 Mark Pacht aus dem Hof des Henneke Kastens in Schulenberg zugesichert: „so wie es schon seine Voreltern zu ihrer Seelen Seligkeit getan haben“.

  • 1548 - 1568

    Markus Schulte, erster evangelischer Pastor

    In Mecklenburg wurden protestantische Prediger erst ab 1524 eingesetzt. Am 18. April 1548 war es dann auch in Kölzow soweit. In einem Vertrag zwischen den Gebrüdern von der Lühe auf Schulenberg und Kölzow und dem Prediger Marcus Schulte wurde diesem jährlich 15 Mark an Einkünften zugesichert. „... tho erholdinge des Predicanter und Karckherren de Kercken to Kölzow tho Morgen Ackers mit samt der Worth und Vicarien Kathen wedderümme afftreten unde thostellen, damit man desto stattlicher einen gelehrten Mann und Seelsorger unterhalten und er seine gebührliche Nahrung bekommen möge.“ Die Gebrüder von der Lühe auf Schulenberg sollten dem Prediger ab 1548 jährlich 15 Mark an Hebungen geben. Sie hielten es mit den Pachtzahlungen aber nicht so genau, denn 1568 klagten ihre Vettern aus Kölzow beim Herzog: „ da die Pacht schon 17 Jahr ausblieb“. Die von der Lühe's in Kölzow erbauten sich 1548 einen neuen Hof. Kurzerhand eigneten sie sich die nahen und fruchtbaren Kirchenhufen an. Dem neuen Pastor drehten sie als Ausgleich ein weit entlegendes und nicht urbar gemachtes Stück Land an.

    1549 war das offizielle Jahr für die Reformation in Mecklenburg, die vom Herzog verkündete Konversion aller mecklenburgischen Untertanen vom Katholizismus zum Protestantismus.

    Aus der Amtszeit von Pastor Marcus Schulte ist einige Jahre später noch über einen anderen Streitfall zu berichten. Im Jahre 1567 beschuldigten die Junker Jürgen und Christoffer von der Lühe auf Kölzow die Junker Curt und Joachim von Zeppelin auf Alt Guthendorf, daß sie ihre Untertanen im Dorf Dettmannsdorf davon abhielten, dem Pastor von Kölzow dasjenige zu geben, was sie ihm schuldig wären. Daß sie vor allem seinen Acker nicht pflügen, säen und mähen wollten. Die Junker von Zeppelin befragten daraufhin ihre Bauern in Dettmannsdorf und erhielten von diesen folgenden Bericht: "Sie hätten dem Pastor bisher alle Wege getan, die sie ihm von alters her schuldig gewesen. Nun hätten die Junker von der Lühe dem Pastor die zwei Hufen Kirchenacker, die er im Kölzower Felde hätte, zum größten Teil weggenommen und ihm dafür anderen Acker, weit vom Dorfe gelegen, in einem Felde nach Dudendorf gegeben, der aber noch mit Holz, Busch und Heide bewachsen ist. Diesen Acker sollten alle Kirchspielleute für den Pastor ausroden, pflügen, säen und mähen. Dadurch würde eine Neuerung eingeführt, die sie nicht zu tun schuldig wären". Die Junker von Zeppelin drohten den Junkern von der Lühe auf KöIzow an, daß sie deren Untertanen im Dorf Dettmannsdorf zu ihrer eigenen Kirche nach Marlow legen würden, falls sie es nicht bei den alten Rechten belassen würden. Sie könnten nicht zulassen, daß ihre Bauern in Dettmannsdorf "... den Herren von der Lühe zu deren Pfarre in Kölzow dienen sollten, da sie zu diesem Dienst nicht verpflichtet wären!".

  • 1569 - 1612

    Bernhard Nicolai

    Am 31.03.1569 fand die Wiedervereinigung der ehemals nach Kölzow verlegten Dörfer Fahrenhaupt und halb Kneese mit der Kirche Marlow statt. 1569 beriefen die Junker von der Lühe zu Kölzow, als Patrone der Kirche, den Pastor Bernhard Nicolai zum Nachfolger des Marco Schulte aus Osterwieck. Er bekam zwei neue Hufen Land zum Lebensunterhalt zugewiesen. Der Acker lag in "Busch und Rusch", bei größter Anstrengung gelang es ihm nicht das Land urbar zu machen.

    Am 3.Mai 1574 erfolgte das Urteil des Mecklenburgischen Hofgerichtes in Sachen Pachtzahlungen aus Schulenberg an die Kölzower Kirche. Die Junker von der Lühe auf Schulenberg wurden zur Zahlung aller rückständigen Pachtzahlungen von 1530 bis 1548 und 1552 bis 1574 verpflichtet. Die Junker von der Lühe auf Schulenberg zahlten.

    Als kurze darauf der Ritter Rupert von Vieregge auf Dammerstorf 1583 die Pfarrabgaben verweigerte und auch keine Hilfe am Pfarrhausbau leistete, trat der Pastor Bernhard Nicolai der Herrschaft mutig entgegen. Vor versammelter Gemeinde nahm der Pfarrer ihm und seiner Ehefrau keine Beichte ab, so dass diese nicht am Abendmahl teilnehmen konnten und letztendlich doch zahlten.

    Als Pastor Nicolai nach 43 Dienstjahren 1612 starb, stand der Pfarre ausreichend Kapital zur Verfügung um Junker Gebhard von Kardorff auf Wöpkendorf 262 Gulden gegen Zins auszuleihen. Die Gemeinde war auf stattliche 41 Bauern- und Kossatenstellen angewachsen. In Kneese bestand im 16. Jahrhundert eine "Fillialkapelle" der Kölzower Kirche.

    Der Sohn Jonas Nicolai wurde 1579 in Kölzow geboren. Er wurde ein bedeutender evangelisch-lutherischer Theologe und um 1632 Pastor am Lübecker Dom. Als evangelischer Pfarrer an die Heilige-Geist-Kirche in Magdeburg im Mai 1631 Gegenspieler Tilly's beim Massaker der Kaiserlichen, der "Magdeburger Hochzeit".

    Das Foto (Copyright: Wikibedia/Concord) zeigt das Porträt-Epitaph für Jonas Nicolai im Dom zu Lübeck.

    Porträt-Epitaph für Jonas Nicolai im Dom zu Lübeck
  • 1620 - 1630

    Jacob Vick

    1620 verkaufte der Patron Curt von der Lühe seinen Anteil an Lütken Gnevitz und zwei Pfarrhufen, die dort lagen, an Vollrath von der Lühe auf Schulenberg. Pastor Jacob Vick stimmte dem Verkauf der Pfarrhufen zu und erhielt zwei andere Hufen Land auf Kölzower Felde.

    Nach der Besetzung Mecklenburgs durch Wallenstein 1627 wüteten die Kämpfe nun im ganzen Land. Allein 1629, das Jahr nach der Belagerung Stralsunds, starben in der Kirchgemeinde Kölzow 73 Menschen!

    Als Pastor Jakob Vick 1630 starb, war der spätere Domprediger in Schwerin Johann Susemihl für Kölzow ausersehen. Er wurde aber von den Patronen nicht eingesetzt, da er die Witwe nicht heiraten konnte (wollte). Eine Witwenversorgung gab es nicht, so mußte der nachfolgende Pastor die Witwe seines Vorgängers auf Lebzeiten mit unterhalten. Laut Witwenvertrag hatte sie Anspruch auf ein Zehntel der festgesetzten Hebungen (Einkünfte) und auf ein Zwanzigstel der Pfarreinkünfte. Es reichte gerade zum Existenzminimum. So mußte oft der nachfolgende Pastor die Witwe des Vorgängers heiraten.

    "Die Belagerung Stralsunds" (1628), nachträglich kolorierter Kupferstichaus den Hogenbergschen Geschichtsblättern

  • 1632 - 1644

    Joachim Possel

    1620 verkaufte der Patron Curt von der Lühe seinen Anteil an Lütken Gnevitz und zwei Pfarrhufen, die dort lagen, an Vollrath von der Lühe auf Schulenberg. Pastor Jacob Vick stimmte dem Verkauf der Pfarrhufen zu und erhielt zwei andere Hufen Land auf Kölzower Felde.

    Es folgte eine schlimme Zeit mit Krieg, Hunger und Tod.

    Nach der Besetzung Mecklenburgs durch Wallenstein 1627 wüteten die Kämpfe nun im ganzen Land. Allein anno 1629, das Jahr nach der Belagerung Stralsunds, fanden in der Kirchgemeinde Kölzow 73 Menschen den Tod!

  • 1645 - 1691

    Heinrich Rodbert

    Am 30. Oktober 1662 wurde Kölzow erneut auf Anordnung vom Herzog Gustav Adolph visitiert. Die Zahl der abendmahlsfähigen Gemeindemitglieder hatte sich auf 75 erhöht, 1649 waren es nur 25 gewesen.

    Nach dem Visitationsgottesdienst, zu dem etwa 40 Personen erschienen waren, wurde zunächst mit dem Pastor Heinrich Rodbert ein Kolloquium vor dem Altar abgehalten, das er nur mittelmäßig bestand. Darin wurde die Gemeinde aus dem Katechismus examiniert, deren Prüfung sie "teils schlecht, teils ziemlich" bestand. Auch der Küster irrte sich im Singen zweimal und mußte getadelt werden. Auf Befragen erklärte die Gemeinde einhellig "sie hätten sich über ihren Prediger nicht zu beschweren. Er lehre sie in Gottes Wort und führe ein christliches, unärgerliches Leben." Nur der Junker Hermann von Kardorf auf Wöpkendorf, der mit dem Pastor wegen der Predigergebühren im Streit lag, beschwerte sich über ihn. "Der Pastor Heinrich Rodbert hätte im Sommer an einem Sonntage frühmorgens vor dem Gottesdienst Roggen einfahren lassen. " Jedoch rechtfertigte sich der Pastor " Er habe es aus Not tun müssen, weil er in Rostock wegen der Teuerung weder Korn noch Brot hätte bekommen können und er sonst mit seinen Kindern aus Mangel an Brot hätte Hunger leiden müssen. Der Gemeinde habe er es auch vorher öffentlich angezeigt, damit sie daran nicht Ärgernis nehmen möchte." Dem Pastor Heinrich Rodbert wird aufgegeben "mit der Gemeinde fleißiger den Katechismus zu üben. Wer den Katechismus mit dessen Auslegung nicht wisse und verstehe, dürfe in Zukunft von ihm nicht getraut und zum Abendmahl zugelassen werden, dürfe auch nicht das Patenamt übernehmen." Der Pastor beklagt sich: "zu wenige zur Katechismuslehre kommen", und die Gemeinde wird ermahnt "das Arbeiten an den Sonntagen zu unterlassen!".

    Hermann von Kardorf auf Wöpkendorf, ein Obristleutnant, lag mit Pastor Pastor Heinrich Rodbert 1663 und 1664 im Streit, da er schon seit Jahren kein Meßkorn und keine Predigergebühren an ihn entrichtet hatte. Dies konnte er deshalb nicht zahlen, weil er in wenigen Jahren sein Gut, das früher eine jährliche Einnahme von 800 Gulden erbrachte, völlig heruntergewirtschaftet hatte. Kardorff führte einen »unzüchtigen und wüsten« Lebenswandel.

    Er drohte dem Pastor an, er wolle ihm »wenn er zur Kirche gehen und sein heiliges Amt verrichten würde, eine Kugel schenken und ihn wie eine Taube von der Kirche büchsen«.

    Da der Pastor Heinrich Rodbert sich gegen die Beleidigungen und tätlichen Drohungen nicht mehr wehren konnte und sein letztes Geld für die Advokaten in diesem Prozeß ausgegeben hatte, bat er 1664 dreimal in Eingaben an das Konsistorium in Rostock und an den Herzog um eine andere Pfarre. "Er habe in Kölzow nun fast 19 Jahre das Predigeramt in großer Verfolgung und Armut verwaltet, insbesondere habe der Junker Hermann von Kardorf vielfältigen Frevel an ihm verübt und ihn mit »grewlichen Drohungen« beschimpft. Außerdem sei in Kölzow so ein großer Mangel an Nahrung, daß er sich dort nicht erhalten, noch seinen ehrlichen Namen der vielen Schulden wegen bewahren könne." Aber die Bittschrift hatte keinen Erfolg. 1667 hatte der Junker noch keinen Heller der rückständigen Abgaben gezahlt.

    Am 12. Juni 1667, während der Pastor Heinrich Rodbert auf der Kanzel stand und predigte, brannte das Pfarrhaus ab, das er sich 1645 selbst erbaut hatte. Er lief "um seine gerade » in Pocken jämmerlich darniederliegenden sechs Kinder«, einige Bücher und die Betten" zu retten. Dabei trug er große Brandwunden davon. Nun kann, schrieb er: »in dieser Sterblichkeit mein Elend und Armuth nicht größer werden, da ich nicht ein Stücklein Brot, geschweige Kleider und Schuhe, für mein armes Weib und Kinder geborgen habe«. Zwischen 1668 und 1670 baute Pastor Heinrich Rodbert das Pfarrhaus, das gleichzeitig auch »Vieh-Haus« war und nur »wenig bequeme Gemächer« hatte, wieder auf. 1694 durfte er mit Genehmigung des Patrons eine kleine Studierstube anbauen. Seine vier Hufen Land (ca. 80 Hektar) lagen in der Kölzower Feldmark zwischen den Guts- und noch vorhandenen Bauernländereien verstreut. Sein Acker war in drei Schläge eingeteilt, die wiederum in viele Stücke zerfielen. Ohne ausreichende Arbeitskräfte und wegen Mangel an Zugvieh mußte er große Teile liegen lassen, die dann verwilderten.

    1677 war Kölzow eine an Einwohnerzahl arme, öde und wüste Gemeinde. Die adligen Höfe ließen um 1680 große Teile ihrer Ländereien brach liegen. Durch ungenügende Düngung und ungeregelte Hütung der Pferde und Schafe verringerten sich die Erträge immer mehr.

    1680 wurde der Bauer Claus Schley aus Wöpkendorf mit herzoglicher Genehmigung der Stadt Ribnitz aus der Leibeigenschaft entlassen.

    1687 bewirkte Pastor Heinrich Rodbert die Genehmigung, bei eigener Bereitstellung des Holzes, kostenlos Salz unter einer der herzoglichen Salzpfannen in Sülze zu gewinnen. Dadurch besserte er sein Einkommen um jährlich 4 Taler auf. Der Pastor hatte Anteil an der Mast- und Fischereigerechtigkeit. So konnte er bei guter Mast vier Schweine und bei schlechter Mast zwei Schweine in den Wald treiben. Fischen durfte er im Hundesohl, nicht weit vom Kirchhof, der ganz zugewachsen ist. »Das Futter oder Gras dennoch dem Prediger gehöret, welches sich der Lieut Gercken aneignen wollte. Des weiteren im Papensohl, das weit in der Heide nach Dudendorf lag, und die wenigen Fische, die es enthielt, von Dieben daraus gestohlen wurden.«. So wurde auch aus seiner "Hölzung im Papenberge Buschwerk von Kneßern und Kölzowern »abgehauen und weggestohlen«. Auf dem Steinkamp hatte er ein kleines Ellern Stück und 16 Morgen Acker. »...ein Stück zwischen den Hoftannen sind zum Theil mit jungen Tannen und Birken bewachsen, welchen er zu seinem geringen Nutzen anwendet, übriges Brennholz daher von denen Eingepfarrten erbittet. Das Pfarrhaus, Pfarrzimmer und Küsterey sind in schlechtem Zustand. Das Witwenhäuschen ist zum Teil von denen Kirch - Intraden, zum Teil von der Collecte, zum Teil von dem geschenkten Holz und Stroh gutherziger Gönner und Leute und williger Hülfe des Kirchspiels auf bittlichem Ansuchen meines sehligen Vaters, aber am meißten durch deßen Fleiß, Kosten und Arbeit erbauet worden und wird jetzo von der Heuer, so Prediger hebt, unterhalten, bis selbiges eines Predigers Witwe beziehet, woher aber selbige ihre Subsistence nehmen soll, wird die Zeit lehren«.

    Pastor Rodbert wirkte 46 Jahre in Kölzow. Im Alter von 72 Jahren wurde ihm 1691 sein Sohn als Stellvertreter beigegeben, der nach dem Tod des Vaters die Nachfolge antrat.

    Die miserable soziale Lage der kleinen Kirchgemeinde wirkte sich sehr hemmend auf das kirchliche Leben und die mit ihm verbundenen schulischen Verhältnisse aus. So konnte z.B. das Amt des Kirchenvorstehers nach dessen Tod bzw. Wegzug nicht mehr besetzt werden »weil alhie zum Vorsteher-Ampt fast keine tüchtige Persohn unter den gar wenigen eingepfarrten Haußleuten, viel weniger, daß einer pacabel die Rechnung zu führen...«. An den Sonntagen fanden vor- und nachmittags Gottesdienste statt. Die Nachmittagsgottesdienste wurden ungenügend besucht, da die Bauern aufgrund der vielen Hofdienste wenig Zeit dazu fanden. Im Winter wurde nur eine Predigt gehalten, weil die Eingepfarrten zum Teil einen weiten Weg hatten. An den hohen Festtagen wurde nachmittags die Epistel erklärt.

    Aus unserem Archiv: ... im Herzogthumb Mecklenburg etc. gehalten wird. (M.D.C.L. = anno 1650!)

  • 1691 - 1731

    Daniel Nicolaus Rodbert

    1704 forderte der Herzog Friedrich Wilhelm von Mecklenburg-Schwerin in seiner Funktion als oberster Kirchenherr seine Pastoren auf, detaillierte Berichte über ihre Kirchenspiele anzufertigen. Das in Kölzow von Pastor Daniel Nicolaus Rodbert erstellte Beichtkinderverzeichnis berichtet von 237 Personen. Davon 140 erwachsene Beichtkinder (konfirmierte Gemeindeglieder) und 97 Kinder im Alter von 14/15 Jahren.

    Im Kirchspiel Kölzow waren noch fünf Bauernstellen vorhanden, von denen aber nur noch vier besetzt waren. Kölzow war mit 88 Einwohnern das größte Dorf. Es gab 18 Familien. Auf dem Gut arbeiteten zehn Arbeitskräfte, von denen neun untertänig waren. Sie wohnten außer im Pfarr- und Küsterhaus in dem Witwenkaten, der Schäferei, in vier Bauernhäusern, in zwei Katen, in der ehemaligen Schmiede, in dem Hirtenkaten und auf der Vahrenhoper Mühle. Früher gab es zwei adlige Höfe, zwei Schäfereien, sechs Bauleute, neun Kossaten (Kleinbauern) und einen Schmied.

    »Der Rosenfeldts Hof genand ist ganz verwüstet und der Erden gleich gemach et, daher dem Prediger ein groß es accident jährlich abgehed«.

    Landdrost Lützow, der Landverwalter, bewirtschaftete diesen Hof mit, entrichtete jedoch dem Pastor nicht die ihm zustehenden Leistungen.

    Pastor Rodbert berichtete über einen Bauernhof in Kölzow:

    »Das 3te Bauernhaus hat im verwichenen Jahr bewohnet Wilcken Jacobs, ein Unterthan, hat aber, nach dem seine Frau Barb Dettmanns gestorben, im Frühling davonlaufen müssen, stehet also daßelbe gantz wüste und in einem elenden Zustande. «

    Aus den Kirchenbüchern geht u.a. auch hervor, daß schon 1704 »der Zimmermann und Krüger, Jürgen Schnidter, 40 Jahre alt, mit seiner Frau Sophia, geb. Hingst, 30 Jahre alt, mit einem Sohn Jürgen, ein halbes Jahr alt, als freie Leute einen »Krug« in Kölzow bewirtschafteten«.

    In den Jahren von 1704 bis 1706 gab es erhebliche Differenzen zwischen dem Patron der Kirche, Johann Christian von Lützow, und dem Pastor Nicolaus Rodbert.

    "Der Junker von Lützow repariert nicht die Ställe des Pastors, so daß er kein Vieh halten kann, obwohl es ihm vom hochfürstlichen Consistor »anbefohlen« worden war. Auch verweigert er dem Pastor das Geldopfer und die Naturalerhebungen in Form von Eiern, Broten und Mettwürsten für die wüsten Bauernhufen in Kölzow. Stattdessen gab er nur das Meßkorn."

    So schrieb der resignierte Pastor:

    »der arme Prediger (kann) mit den Seinigen...nur schmachten, sie hingegen (der Adel) möge wolleben«.

    Pastor Rodbert trat dafür ein, daß die Dörfer wieder mit Bauern besetzt werden, damit

    »die geistlichen Persohnen nicht ihr Ampt mit seufzen verrichten müßen«.

    Dafür verlangte der Junker von Lützow eine nicht übliche kirchliche Neuerung. Bis jetzt hatten die Patrone und bürgerlichen Eingepfarrten gemeinsam mit der Gemeinde das Heilige Abendmahl gefeiert. Nun bauten sich die Patrone eigene Kirchenstühle mit separaten Zugängen und verlangten vom Pastor die Privatkommunion...

    Pastor Rodbert trat dem Patron mutig entgegen und schrieb ihm: "er möge von seinem unwilligen Vorsatz absehen und das Heillge Abendmahl öffentlich vor dem Angesicht der Gemeinde nehmen, weil er dieses Ärgernis der Gemeinde nicht zumuten könne. Nur im Falle der Not könne er ihm das Heilige Abendmahl privat und allein reichen."

    Dieser ging darauf nicht ein, sondern erlangte vom Herzog die Genehmigung, daß der Pastor zu Marlow ihm das Abendmahl privat spenden durfte, der es auch tat !!!

    1707 wurde Kölzow durch die Witwe von Lützow für den halben Preis an Hauptmann Joachim Ernst von Krakwitz verkauft.

    Am 18. Juli 1709 ging Kölzow für 13700 Taler auf 20 Jahre pfandweise an den Lübecker Syndikus Johann Georg Gützmar (seit 1712 geadelt als Gützmar von Gußmann, gest. 1716) über.

    Um 1715 war der »elende Zustand der Kirche schon so groß, daß man genug sahen, spührete, es würde ihr allgemach mit einer kleinen Ausbesserung wenig geholfen werden, und die Herrn Patroni kräftig genötiget zu einem gar lästigen und kostbaren Bau sich gefaßt zu machen«.

    1717 übernahm der Sohn des Gützmar von Gußmann, Ernst Friedrich Gützmar von Gußmann das Gut. Er stiftete der Kirche seinen Altar.

    Als die Patrone nun die Absicht hatten, den baulichen Zustand zu verbessern, stürzte im Jahre 1729 das Kirchendach bei »hellem Sonnenschein und stillem Wetter, Gottlob ohne einiger Selen Beschädigung« ein.

    Daraufhin sahen die Patrone sich veranlaßt, die Kirche mit allem Eifer wieder aufzubauen.

    1731 war sie soweit fertig, daß die Gemeinde darin Platz nehmen konnte, nachdem sie sich eine Zeit lang im Chor vor dem Altar zum Gottesdienst versammelte und sich »etwas kümmerlich behelffen« mußte.

    Die Baukosten erstreckten sich auf ca. 900 Taler. Aus Liebe zur Kirche stellten die Herrn Patrone die vielen Fuhren und Handdienste der Kirche nicht in Rechnung. Sie bezahlten sogar die anfangs angeliehenen 300 Taler vom Ribnitzer Kloster, damit sich die »auffschwellende Zinsen Last entübrigt«.

    1731 wurde Brunstorf von Marlow nach Kölzow umgepfarrt.

    Foto: Hartwig Bork

  • 1732 - 1768

    Johan Christian Schmidt

    1734 hat der Pastor Schmidt für 8 Schilling eine schwarz angestrichene Bank von Tannenholz anschaffen müssen, für »dem Gesäß der notorisch büßender Sünder« .

    1736 erhandelt Pastor Schmidt sich von dem Bauern Fresen Stroh, um damit den neuen Teil des Pfarrstalls zu decken zu können. »Meister Lantau, des Müllers zu Fahrenhop hat nebst seinen Gehülfen an der Pfarr-Scheunen gearbeitet und einen neuen Einzug am Ochsens tor gemacht, dafür er am Tage 16 Schilling Lohn und Bier bekommen. Ein Gläser aus Tessin verfertigt ein neues Fenster hinter dem Altar und flickt die alten aus.«. Almosen reichte Pastor Schmidt den Armen »nach seinem wenigen Vermögen, ohne die Kirche damit sonderlich zu beschweren, da zu mahl die gute Ordnung der district Leuter, die unverschämten Bettler ziemlich von der Thüren gehalten, und die Gabe eines oder anderen Schillingen nach mehren theils zu reichend gewesen«.

    Nur mit Genehmigung des Patrons oder glaubwürdigen Zeugnissen von der herzoglichen Regierung gab der Pastor von dem Kirchenkapital ein Almosen. »Eines Theils weil die Kirchen gar häufige und wichtige Ausgaben gehabt; andren Theils weil ein weniges gar vielen Notleidenden, zu mahl denen aus unserer Nachbarschaft nur wenig würde gedienet haben; oder viel mehr, weil ich mich nach den Augenschein des Tessinschen Feuers hertzlich gedrungen befunden, dem lieben Gott eine eigene Brand und Dank-Steuer zu entrichten: annerwegen ich selbst ehedeßen mit der Ruthe der FeuersNoth bin gestäupet worden

    1738 konnte zur Beerdigung der Ehefrau des Hans Schmocken nebst deren neu geborenen Kindes, »wo bey der Glocken fehlens halber, kein völliges Geläut erfolgen«.

    An Hand von Rechnungen ließ sich 1744 folgender Zustand des Pfarrhauses ablesen: »Im Monat Juli hat der Maurer Lütckemann, laut Quittung, 13 Tage nebst seiner Frau, als Handlangerin, an und in dem Pfarr-Hause gearbeitet, teils das ganze Fundament des Hauses, das sehr verfallen gewesen zu bessern, teils das Dach samt den Schornsteinen zu reparieren, teils die ab und ausgefallenen oder durchsichtig gewordenen Wände des Hauses hin und wieder zu recht zu machen. Täglich haben sie empfangen 3 Kannen Bier«.

    Betreiber des Kruges war Hans Schliemann und ab 1745 ein Mann namens Dose. Zu der Zeit lebte in Wöpkendorf der Branntweinbrenner Joachim Janke.

    In Kölzow wirtschafteten 1751 zwei freie Vollbauern und vier Kleinbauern, von denen zwei frei und zwei untertänig waren. Weiterhin gab es einen Schuster, Schneider, Schmied, Schäfer, Hirten, Häker, Krüger und Statthalter. Die Fahrenhaupter Mühle gehörte in dieser Zeit zu zwei Teilen nach Kölzow und einem Teil nach Fahrenhaupt.

    Der herzogliche Fiskal war bemüht, das willkürliche "Bauern Legen" zu verhindern, da diese die Steuerkraft des Landes verminderte. Deshalb prozessierte die herzogliche Regierung gegen Ernst CarI Dietrich von der Lühe wegen Legung von Kölzower Bauern, die ihn angeblich darum ersucht hätten, ihnen ihre Bauernstellen abzunehmen und sie zu Katenleuten zu machen.

    1752 schrieb Pastor Schmidt:

    »Weil dem alten Ofen meiner Studier Stube, der aus alten Stücken zusammen geflikket gewesen, durch keinerley Künste gewehret worden, können meine Bücher und Sachen auf der Stube, ja auch meine Gesundheit zu verderben, so hat er verworffen und dafür ein neuer gesetzet werden müssen. Und nach dem er gesetzet beweiset es sich so wo! sparsamer in Ansehung des Holzes, als auch nuzbarer, in Ansehung der Wärme. Dem Ofen der unteren großen Stube, waren die Decken, die Zunge, das Rohr und die Stangen so verdorben und verfallen, das ihm nicht anders als durch Umsetzung geholfen werden konnte«.

    Jährlich weißte ein Maurer die Stuben des Pfarrhauses.

    Seit dem Bau des Witwenkatens gewährte der Patron dem Pastor jährlich 6 Taler an Miete. Da die Kirchenkasse aber ab 1735 völlig leer ist, wartete der Pastor geduldig bis 1756. In diesem Jahr waren die Einnahmen der Kirche soweit gestiegen, daß er sich die Miete von 1732 - 1740 aneignen konnte.

    1758 hing im Kirchturm eine große und eine kleine Glocke

    1724 hatte die Kirche dem Schuster Hagen aus Tessin ein Darlehen von 22 Talern gewährt, wofür er jährlich einen Zins von 1 Taler 3 Schillinge und 6 Pfennige zu zahlen hatte, was er nicht tat. 1740 zogen die Patrone eine Klage beim Stadt-Vogt in Tessin in Erwägung, befürchteten jedoch, daß seine »hoch auf geschwollenen Zinsen, nicht herbey geschafft werden können«. 1746 fand sich endlich der Schuster ein und tilgte auf Abschlag 2 Taler und 1 2 Schillinge. Auch Bittbriefe führten zu keinem Erfolg. 1761 einigten sich die Patrone, »daß er nur überhaupt 22 Taler Capital und Zinsen bezahlen dürfe, welches er auch getan und ihm darauf die Obligation zurückgegeben«.

    1761 starb Ernst Friedrich Gützmar von Gußmann ohne einen Erben zu hinterlassen. Durch Rückführung gelangten Dettmannsdorf und Kölzow an den Hauptmann Ernst CarI Dietrich von der Lühe und damit an die erbherrliche Familie zurück.

    1764 stellte der Hauptmann Ernst Carl Dietrich von der Lühe auf Dettmannsdorf einen Antrag zur Umpfarrung von Ehmkendorf, da er auf Ehmkendorfer Grund und Boden eine Glashütte angelegt hatte und den Glashüttenarbeitern der Weg zur Kirche nach Sülze zu weit war.

    "Außerdem blieben die Glasarbeiter nach dem Gottesdienst zu lange im Sülzer Krug sitzen, da es in Kölzow keinen »Krug« gebe".

    Vermutlich hat für gewisse Zeit eine Umpfarrung stattgefunden, oder es gab für die Glasarbeiter eine gesonderte Regelung, da Ehmkendorfer genau zwischen 1764 und 1770 ihre Kinder in Kölzow taufen ließen und gleichzeitig Ehmkendorfer Glasmacher und deren Angehörige von der Hütte in Kölzow beerdigt wurden.

    1767 gab der Hauptmann von der Lühe, dem Pastor

    "zu Liebe und der Schwachheit halber, den Kandidaten Hinck als Gehilfen bei".

    Die entstandenen Kosten für die Ordination reichte man dem Superinterdent aus Güstrow. Ihm wurden die Pferde und Fuhrleute besorgt, verpflegen durfte er sich im Kruge.

    »So wie der seelige Rodbert seinen Sohn als Gehilfen bekam und dieser von der Kirche 10 Reichstaler jährlich erhielt, so hat auch der Herr Hauptmann von der Lühe meinem Gehilfen jährlich 10 Reichstaler in Aussicht gestellt. «

    Auf Anfrage des Pastors wegen der Taufgebühren eines zu frühzeitig geborenen Kindes, erhielt er folgende Antwort:

    »...daß, wenn es ein während der Ehe, wie wohl nur einige Monate nach der Hochzeit erzeugten Kindes, den Namen eines Huren Kindes beigelegt, ebenso unanwendlich, als die Verordnung des Bußtalers, in diesem Fall unbegründet sei«.

    1768 mußte Müller Jurs eine geborstene Glocke herunterwinden. Diese wurde in Rostock gewogen und neu gegossen. Sie war die größere der beiden. Auf ihr standen die Namen Ernst Karl Dietrich von der Lühe, Pastor Christian Schmidt, der Rostocker Gießer Joh. Wal. Schulz und die Jahreszahl 1768.

    Lage-Skizze von 1769

  • 1768 - 1807

    Carl Friedrich Hincke

    1770 drohte der Turm der Kirche einzustürzen. Der alleinige Patron der Kirche, der Hauptmann Ernst Karl Dietrich von der Lühe auf Dettmannsdorf und Kölzow, veranlaßte, denselben herunterzunehmen und einen neuen auf der Stelle wieder aufzubauen.

    Im ganzen Land der Schwerinschen- und Mecklenburgischen Superintendentur wurde für diesen Turm gesammelt.

    Eine milde Gabe reichte u. a. der Ziegler von Kannenberg. Demzufolge könnte es eine Ziegelei zwischen Kanneberg und Wöpkendorf gegeben haben

    Am 13. Juli 1773 nahm das ritterliche Landgut Kölzow die vier Pfarrhufen in Erbpacht, da ihre ungenügende Bewirtschaftung die junkerliche Gutswirtschaft behinderte. Diesem Vertrag ging eine umfangreiche Bestandsaufnahme voraus.

    1777 veranlaßte Fräulein Sophia von der Lühe aus dem Hause Dettmannsdorf mit Hilfe einer Auszahlung aus ihrem Testament »auf dem Pfarr Grund und Boden zu Kölzow ein neues Haus zu bauen«.

    Der Küster gab den Zimmerleuten und Maurern ein Nachtquartier. Der ungelöschten Kalk »nahmen Emckendorffer Bauern aus Rostock mit, Mauersteine holte man aus Zarnevantz und Wöpckendorf«.

    Der Prediger führte das Rechnungsbuch, in dem er sämtliche Ausgaben der Handwerker, den Lohn des Tagelöhners, der den Lehm vorbereitete, jegliches Baumaterial bis hin zum gereichten Bier, aufschrieb.

    1779 bis 1801 gehörten das Gut Kölzow und das Bauerndorf Ehmkendorf dem Kammerherrn Georg Christoph von Behr.

    Am 30. Januar 1787 brannte in Kölzow ein "zweihischiger Katen!" ab.

    1789 erfolgte der Neubau eines Katens mit einer Länge von 55 Fuß und 28 Fuß in der Breite (1 Fuß = 29,1 cm).

    1792 entstand ein neues Küsterhaus mit Stall.

    1798 wurden die letzten Bauern im Kirchspiel Kölzow niedergelegt.

    Grund dafür war die Einführung der holsteinschen Koppelwirtschaft. Sie verdrängte die Drei- bzw. Vierfelderwirtschaft, die darin bestand, daß die Feldmark eines Dorfes grundsätzlich in ständiges Ackerland und ewiges Weideland aufgeteilt war. Angebaut wurden Roggen, Gerste, Hafer, Erbsen und Buchweizen. Die Korngewinnung wie auch die Pferde- und Schafzucht waren das wichtigste.

    Die holsteinsche Koppelwirtschaft war eine geregelte Feldgraswirtschaft auf festen, meist eingefriedeten Koppeln.

    1801 fiel Kölzow durch Kauf an Joh. Daniel Haß und bald darauf an Joh. Hartwig Hundt.

    1803 erlangte es der Engländer William Paxton.

    Noch im selben Jahr erhielt es Joachim Christian Dugge, der es 1806 aus finanziellen Gründen aufgeben mußte. Seine Gläubiger wünschten eine Brandversicherung der Kölzower Mühle in Fahrenhaupt.

    Die Kreditgeber verkauften das Gut Kölzow 1809 an Bernhard Philipp Berkemeyer.

  • 1807 - 1834

    Carl Christian Hincke

    1811 war die große Bronzeglocke nicht mehr zu gebrauchen. Die kleine Glocke hatte keinen ganz einwandfreien Klang, diente nun aber der Gemeinde für alle Zwecke.

    1815 erwarb Joh. Heinrich Röhl das Gut Kölzow. Ihm gelang es, in Kölzow Zucker herzustellen. Er hatte in Rostock eine Zuckersiederei und wollte den in Kölzow gewonnenen rohen Zucker dort raffinieren. Hiergegen protestierten alle Städte in Mecklenburg. Es kam zu einem Prozeß. Der Grund der Klage lag darin, daß die Städte nach der Mecklenburgischen Verfassung es nicht zulassen durften, daß auf dem platten Land ein Fabrikunternehmen oder ein städtisches Gewerbe errichtet wurde. Der von den benachbarten preußischen Staaten eingeführte rohe und fertige Zucker erbrachte diesen bedeutende Zölle.

    Joh. Heinrich Röhl ließ täglich 100 Zentner Rüben verarbeiten. Dazu benötigte er zum Reiben mit Hilfe eines Wasserrads zwölf Frauen und zum Pressen sechs Männer und einen Meister. Gearbeitet wurde von morgens 8 Uhr bis nachts 24 Uhr. Nach dem Zusammenbruch der Röhlschen Zuckerträume, verfiel das Fabrikgebäude. Noch heute ist in Kölzow eine alte Ruine in der Nähe des Maibachs am Mahlberg zu sehen. Die Ein heimischen nennen den Mahlberg »Zuckerberg«.

    Der allgemeinen Armut zu entfliehen gelang einigen Dorfbewohnern in den Städten. Alle Personen, die zum Beispiel in der Stadt Ribnitz das Bürgerrecht erwerben wollten, mußten im Rathaus ein Bürgergeld zahlen und bis 1838 einen Feuereimer zum Löschen von Bränden abgeben, da es noch keine Feuerwehr gab. Alle Handwerker und Gewerbetreibende leisteten einen Eid und ließen sich im Bürgerbuch eintragen. Von 1838 bis l841 zahlten sie zusätzlich einen bestimmten Betrag in die Schulkasse und Brandkasse ein.

    Ab 1841 erhoben die Ratsherren anstelle des Feuereimers einen Geldbetrag und eine Zahlung in die Armen kasse (1 Taler = 3 Mark =48 Schillinge).

    »4. Decem. 1820, Johann Ernst Moll aus Dammerstorf gebürtig, hat als Goldschmied das Bürgerrecht erworben, gibt Bürgergeld und das Feuer-Eimer Nr. 1140.«

    » Arbeitsmann Joh. Fried. Peter Schmoch aus Kölzow zahlt an Bürgergeld 2 Reichstaler und 44 Schilling, in die Brandkasse 2 Reichstaler .... in Summe 16 Reichstaler und 2 Schilling

    Um 1820 unternahm der Gutsbesitzer Joh. Heinrich Röhl den Versuch, Seidenraupen zu züchten. Mit Erfolg! Das Generalkomitee des landwirtschaftlichen Vereins in München verlieh ihm eine Medaille für den 10. Preis!

    Aus Mangel an Raum zog er nur ca. 2200 Raupen, die mit MauIbeerblättern und, als Ersatz, mit Schwarzwurzelblättern gefüttert wurden. Entlang des Wiesenweges wuchs bis etwa 1950 noch eine MauIbeerhecke.

    Nachdem Joh. Heinrich Röhl im Jahre 1832 verstorben war, verkaufte die Witwe das Gut 1833 an den Gutsbesitzer von Dettmannsdorf, Otto von Prollius, Justizrath zu Güstrow, der inzwischen zweimaliger Witwer und gut bemittelt war. Seine Güter ließ er durch Pächter bewirtschaften bzw. durch Inspektoren verwalten. Noch im selben Jahr veränderte sich das Dorf- und Hofbild von Kölzow, da baufällig gewordene Ställe und Scheunen niedergerissen und an anderer Stelle neue errichtet wurden.

    1834 entstand ein größeres Wirtschaftshaus mit einer Länge von 98 Fuß, einer Breite von 42 Fuß und zwei massiv gewölbten Kellern.

  • 1835 - 1845

    Adolf Fuchs

    1835 wurde Carl Adolf Friedrich Fuchs, ehemals Konrektor in Waren, Pastor zu Kölzow. Nach Mitteilung des Kölzower Patrons Otto von Prollius, war er "ein Pastor voll imponierender Gewalt". Freund und Zeitgenosse von Hoffmann von Fallersleben, einer der führenden Intellektuellen des 'Jungen Deutschland'. In seiner Zeit in Kölzow schrieb er seinen "geistlichen" Roman ROBERT, eine Reflektion seines Lebens als Hauslehrer, Kandidat und Geistlicher. Der Alltag als Familienvater und abhängig vom Patron der Kirche, ständige Finanznöte zwangen zu einer Veränderung. 1839 wurde seine Bewerbung um eine zweite Dompredigerstelle in Güstrow abgelehnt. Nach 10 Jahren verabschiedete er sich in einer noch heute beindruckenden Predigt von seiner Gemeinde um mit seiner Familie auszuwandern.

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    Adolf Fuchs liest
  • 1845 - 1863

    Georg Friedrich Ellmann

    1845 bestand die Gemeinde aus sechs Gutsdörfern mit 99 Familien. Davon waren 65 Tagelöhner, fünf Statthalter (Verwalter), vier Schäfer, vier Schmiede, vier Weber, vier nicht näher bezeichnete Einlieger, drei Hirten, zwei Müller, zwei Schullehrer und je ein Schneider, Tischler, Kutscher, Maurergeselle, Holzwärter und Jäger. 1846 wanderte eine Familie Rode aus Grünheide nach Texas aus. Als deren Nachkomme meldete sich 1981 ein Pastor Rode, der mit seiner Familie die Heimat seiner Voreltern und die Kirche in Kölzow besuchte. 1849 kam es zum Aufbau eines Schweinestalls hinter dem Pfarrstall, und an der Rostock-Sülzer Landstraße entstand ein Schmiedehaus. 1853 trägt sich der Schiffszimmergeselle Johann Joachim Ludwig Ladewig, gebürtig aus Kälzow, ins Bürgerbuch der Stadt Ribnitz ein, 1857 der Arbeitsmann Wilhelm Joachim Friedrich Raht aus Wöpkendorf, Johann Heinrich Ludwig Gruel aus Dammerstorf und Friedrich Johann Christoph Ohlerich aus Kölzow. Sie alle zahlten die üblichen Gebühren. 1862 ließ Otto von Prollilus die Wassermühle in Fahrenhaupt mit der Müllerwohnung, der Scheune und dem Stall mit Anbau niederreißen

  • 1863 - 1871

    Christian Friedrich Gagelmann

    1865 wurde laut Inschrift von P. M. Hausbrandt, Hofglockengießer in Wismar, die große Glocke umgegossen.

    Im selben Jahr veranlaßte Otto von Prollilus den Bau eines zweistöckigen Herrenhauses mit Turm und schiefergedecktem Dach in Kölzow.

    Foto: Das Jagdschloss um 1925 von links: Verwalter Goessler, Erna Schulz, Hermann Ahrens, Minna Trost und 2 Stukateure

  • 1872 - 1878

    Fedor August Mie

    1878 wurde mit dem Neubau des Pfarrhauses begonnen, da Pastor Fedor August Mie folgendes passierte: "Als er mit mehreren Bekannten, fröhlich plaudernd und gemütlich rauchend, in seinem Studierzimmer gesessen, sei seine Hündin, die seit Jahren auf dem Dachboden ihren Platz hatte, plötzlich mit ihren Jungen durch die Zimmerdecke hindurch, zu den Füßen der überraschten Gäste gefallen. Die durch die Jungen vermehrte Last habe die Zimmerdecke nicht zu tragen vermocht. Dieser Notfall, der die Baufälligkeit des Hauses darstellte, habe das Patronat und die Gemeinde veranlaßt, ein neues Pfarrhaus zu bauen." Der Weg zum Pfarrhaus führte durch eine Torscheune, die 1946 wegen Baufälligkeit abgerissen wurde.

    Foto: Hartwig Bork 2020

  • 1878 - 1892

    Amandus Meyer

    "Frau Melms aus Wöpkendorf schenkte der Kirche eine Orgel von »Friese III", so stand in einer Rostocker Zeitung geschrieben. Die Orgelweihe fand am 4. Advent 1883 statt.

    1884 wurde Dettmannsdorf an Wilhelm Krempin verkauft. Seine einzige Tochter Margarete starb mit 7 Jahren an den Verbrennungen, die sie beim Sturz in einen siedenden Kessel mit Wurst erlitten hatte. Frau Krempin blieb von diesem Zeitpunkt dem Gottesdienst fern.

    1892 gehörten zur Kirchgemeinde folgende Ortschaften: Kölzow, Grünheide, Dettmannsdorf Stubbendorf, Wöpkendorf, Kanneberg, Brunsdorf mit Ausnahme eines Katens, der nach Marlow eingepfarrt ist, Dammerstorf, Neu-Dammerstorf, Wüsthof, damals durch Ankauf zu Dammerstorf gehörend, seit 1896 der Bahnhof Dammerstorf und der Bahnhof Dettmannsdorf-Kölzow, mit einer sich immer mehr erweiternden Ansiedlung.

    1892 bestand die Gemeinde aus 351 Erwachsenen und 165 Kindern.

    Foto: Hartwig Bork

  • 1892 - 1900

    Friedrich Wilhelm Ahrens

    1892 war die Kirche ohne Fußboden, das Gestühl baufällig und die Decke vom Regen durchweicht. »Es bot sich ein Bild trauriger Verwahrlosung, ebenso Kirchhof und Pfarrgarten.« Am 1. Pfingsttag 1899 erhielt die sehr reparaturbedürftige Kirche eine neue Altar- und Kanzelbekleidung "... von der Paramentenwerkstatt Ludwigslust in bekannter künstlerisch vollendeter Ausbesserung".

    Im Sommer 1900 erfolgte eine Renovierung im Innern der Kirche. Am Tag nach der Vollendung brach im Dorf ein großer Brand aus, der fast ganz Kölzow in Asche legte. 11 Gebäude fielen den Flammen zum Opfer. Das Gutshaus (im Volksmund »Schloß« genannt) wurde durch die hohen umliegenden Bäume geschützt. Die Kirche, das Schul- und Pfarrhaus, die hart bedroht waren, sind verschont geblieben. Die Hofgebäude wurden an einer anderen Stelle wieder aufgebaut. »Durch das Feuer veränderte sich durch diesen Brand das Aussehen des Dorfes sehr

  • 1901 - 1934

    Heinrich Pegler

    1901 schied der Kirchenvorsteher Albrecht aus dem Amt, sein Nachfolger wurde der Tagelöhner Mindemann. Der Kirchhof wurde 1908 für weitere Beerdigungen zu klein. Man erweiterte ihn um 90 Gräber, die an den Küsteracker anschlossen. Anlässlich der Beerdigung des Tagelöhners Röda aus Dammerstorf wurde dieser neue Teil geweiht. Der alte Kirchhof war, abgesehen von einigen besonderen Fällen, für Beerdigungen geschlossen.

    1910 zog der Kirchenjurat (Kirchenvorsteher) Krüger, der das Amt seit 1905 innehatte, von Kölzow nach Fahrenhaupt. An seine Stelle traten die Tagelöhner Giatz und Karl Nowosadko. Doch schon nach zwei Jahren zog Krüger nach Stubbendorf und übernahm für den ausscheidenden Arbeiter Nowosadko wieder das Amt als Kirchenjurat bis 1929, als er aus Altersgründen ausschied. Mit ihm hörte das Amt des Kirchenjurats auf.

    1917 mußten die große Glocke und Orgelprospektpfeifen zu Kriegszwecken abgeliefert werden. 1919 wurde von der Familie von Prollius zu Kölzow eine Grabkapelle erbaut. Sie befindet sich an der Ostseite hinter der Kirche und trägt das Wappen der Herrscherlinie. Ein paar Meter daneben steht eine zweite Kapelle des 1878 verstorbenen Gutsbesitzers aus Brunstorf Ferdinand Theodor Lange.

    1920 waren folgende Mitglieder im Kirchgemeinde - Rat (KGR): Rittergutsbesitzer Melms aus Wöpkendorf, Rittergutsbesitzer Jesse aus Ehmkendorf, Tony von Prollius aus Stubbendorf, Lehrer Knak aus Kölzow, Lehrer Kuntze aus Dammerstorf, Schmiedemeister Ahrens aus Dettmannsdorf-Kölzow, Stellmacher Mündt aus Wöpkendorf und Arbeiter Karl Niemann aus Dettmannsdorf. Ersatzmänner waren: Jäger Stockfisch aus Kölzow, Gärtner Haase aus Dettmannsdorf-Kölzow, Arbeiter Hamann und Jürhs aus Dettmannsdorf, Stellmacher Dau aus Dammerstorf, Gärtner Dammann aus Ehmkendorf, Arbeiter Joachim Krüger aus Stubbendorf, Arbeiter Karl Kaczkowski aus Kölzow und Arbeiter Ruhs aus Wöpkendorf. Vorsitzender: Pastor Pegler und als Vertreter des Patronats der Rittergutsbesitzer Schwing aus Dettmannsdorf.

    1923 Nach dem die Patrone und eimgepfarrten Gutsherrschaften bereit waren, das notwendige Geld für neue Glocken zu spenden, trat Schmiedemeister Ahrens mit der Firma Ullrich & Weule aus Bockenem im Harz in Verbindung. Sie nahmen die kleine Bronzeglocke in Zahlung und gossen drei neue Harteisenglocken, die am 28.10.1923 geweiht wurden.

    Die A-Glocke trägt die Inschrift: „Geopfert für Vaterland und Wehr 1917“; die CIS-Glocke: „Die Lebenden rufe ich, die Toten beklage ich“; die E-Glocke: „In tiefer Not“.

    Auf der Rechnung vom 22.08.1923 (Höchststand der Inflation) steht: »Sie empfingen auf ihre Rechnung und Gefahr durch die Bahn nach Station Dettmannsdorf-Kölzow 3 Glocken, 3 Joche, 3 Klöppel, 3 Schwengel und 6 Rollenlager, zusammen 1440 kg (pro kg 12.000 Mark). Inschriften: 118 Buchstaben ä 300 Mark; Teuerungszuschlag in Folge der Lohn-, Koks- und Materialpreise: 297.695 Mark an Lohn, 894.800 Mark an Koks, 116.036.000 Mark an Material.Dazu kommen Lohnaufschiag für die Inschriften, Anfuhr zur Bahn und Verladung, sowie der Glockenhaken. Alles zusammen 1.658.159.200 Mark. Sollte die Zahlung nicht bis zum 30. des Monats auf dem Konto sein, werden die nicht unerheblichen Bankspesen dem Kirchenkonto angelastet. Sämtliches Verpackungsmaterial, sowie Glockenhaken bleiben Werkseigentum. Eine Gutschrift erfolgt erst nach frachtfreier Rücksendung."

    Vor dem Ausbruch des 1.Weltkrieges war an Festtagen und sonntags jeweils am Morgen die Glocke geläutet worden. Diese Sitte führte man erst wieder 1923 ein.

    Bis 1929 hatte es in der Gemeinde das Prozesessionssingen gegeben. Bei den Begräbnissen in Kölzow hatte der Organist den feierlichen Umzug mit Gesang vom Sterbehaus zum Friedhof, um die Kirche herum und am Grabe geleitet. Nachdem Kirche und Schule getrennt worden waren, wurde am 1. Oktober 1929 der Kirchenvorsteher Karl Kaczkowskj zum Küster der hiesigen Gemeinde bestimmt. 1930 erschienen neue Gesangsbücher.

    Foto: Hartwig Bork 2011

  • 1934 - 1946

    Rudolf Klar

    1934 ließ Pastor Rudolf Klar Reparationsarbeiten am Pfarrhaus durchführen, Öfen und ein neuer Waschkessel wurden gesetzt.

    Im Sommer 1937 gerieten Kühe auf den Kirchhof, da der Zaun der Koppel auf der Nordseite in schlechtem Zustand war. Deshalb wurde der ganze Kirchhof 1938 mit Maschendraht eingezäunt und von der Innenseite mit einer Lebensbaumhecke bepflanzt. Um die Kosten zu decken wurde eine kleine Anzahl Laubbäume gefällt die alten versackten Steine der Umwehrung verkauft. Hinzu kam der Erlös von Kollekten. Einige Güter zahlten nur nach Mahnungen.

    1940 legte Karl Kaczkowski sein Amt als Küster nieder. Nach langen Bemühungen fand sich der Arbeiter und Nachtwächter Karl Kasten zum Kirchendienst bereit, wegen Kränklichkeit gab er sein Amt nach dem 1. April 1942 auf. Die junge Frau Erika Lübow geb. Kulicke übernahm das Küsteramt.

    1945 waren folgende Mitglieder im KGR: Stellvertretender Vorsitzender Gärtnereibesitzer Wilhelm Haase aus Dettmannsdorf-Kölzow, Sophie-Charlott von Prollius aus Stubbendorf, Arbeiter Karl Niemann aus Dettmannsdorf, Landwirt Gustav Müller aus Ehmkendorf, Arbeiter Franz Staginski aus Dammerstorf, Landwirt Friedrich Glabienner aus Wöpkendorf und Siedler Simon Götz aus Brunstorf. Als Stellvertreter fungierten: Schmiedemeister Hans Ahrens aus Dettmannsdorf-Kölzow, Arbeiter Johann Niemann aus Kölzow, Arbeiter August Toienke aus Dettmannsdorf, Landwirt Jakob Jallas und Richart Moll aus Wöpkendorf.

    Alle sechs Jahre wurde der KGR erneut gewählt.

    1945/46 wurde die Kapelle der Familie von Prollius zur Aufbahrung aller Sterbefälle nutzbar gemacht. Die verzinkten Särge in der Gruft unter der Kapelle blieben dort und wurden um 1980 durch ein Gitter von außen gesichert.

    1946 begann der Flüchtling Wilhelm Zibell den Dienst als Totengräber und Hilfsorganist in Kölzow. Die Nachfolge des Totengräbers übernahmen Gustav Domrös, Paul Kilian und Dieter Hufenbach.

    Foto: Hartwig Bork 2009

  • 1946 - 1968

    Hans Müller

    1960 erschienen neue Gesangsbücher.

    Am 1. Advent 1963 wurde eine neue gottesdienstliche Ordnung eingeführt. An Stelle der Klingelbeutel traten jetzt Opferschalen.

  • 1969 - 1975

    Gottfried Frahm

    1972/73 sammelt der KGR die Kirchensteuern selbst ein.

    Die Sitte, sich nach dem Abendmahl in eine Liste einzutragen, wurde abgeschafft.

  • 1975 - 1987

    Jochen Hübener

  • 1987 - 1989

    Uwe Bobsin

  • ab 1989

    Petra Bockentin

Danke ...

... für das Sammeln von Fakten, Stöbern in den Archiven und Bereitstellen von Informationen an Heike Wiemann "Geschichtliche Beiträge der Landgemeinde Dettmannsdorf" !