Gedanken zur Zeit

Wozu nun auch noch Fasten?

Fasten ist ein hartes Brot. Unser Gehirn assoziiert mit dem Begriff sofort Verzicht und Entbehrung und unser Körper stimmt diesem inneren Gefühl relativ schnell zu. Wer fastet, will etwas verändern. Das Intervallfasten soll den Stoffwechsel ins richtige Lot bringen. Heilfasten soll der Gesundheit aufhelfen und Zuckerfasten soll beim Abnehmen Unterstützung leisten. Alle uns bekannten Religionen haben verschiedene Fastenrituale. In unserer christlichen Kultur kennen wir den Freitag als Fastentag, aber auch zwei große Fastenzeiten. Zum einen ist es die Adventszeit und zum anderen die Passionszeit jetzt vor Ostern. „Am Aschermittwoch ist alles vorbei“ klingt es in einem Karnevalschlager. Übersetzt soll das heißen, Schluss mit Party und dem was dazu gehört, jetzt geht es mit dem Seinlassen so richtig los. In den Schriften der Bibel können wir nachlesen, dass sich die Menschen vor wichtigen Ereignissen zum Fasten zurückgezogen haben. Die Zahl 40 spielt dabei eine große Rolle. So ging Jesus 40 Tage fastend in die Wüste, um über seinen Weg an das Kreuz nachzudenken, Mose war 40 Tage auf dem Sinai um die Gesetzestafeln zu empfangen, die Sintflut war 40 Tage lang, bis das Leben neu begann. So ist auch die Fastenzeit von Aschermittwoch bis zu Ostern 40 Fastentage lang. In der Zählung werden allerdings die Sonntage, die als fastenfreie Tage gelten, ausgenommen. Wozu nun aber das alles? Für mich ist es wichtig, ob es ein inneres Bedürfnis und eine Freiwilligkeit gibt, mal ganz anders und nicht abgelenkt von Dingen auf sich selbst, auf Gott und die Welt zu schauen. Das gelingt mir nicht mit äußerem Druck. Die Leute, die zu früheren Zeiten diesem ausgesetzt waren, wurden nämlich ziemlich erfinderisch, um sich selbst und Gott auszutricksen. Mönche haben Bockbier erfunden, das wesentlich mehr satt machte als das normale Helle. Man hat den Biber als Fisch eingestuft, weil Fleisch essen in der Fastenzeit verboten war und die Schwaben haben die Maultaschen (Herrgottsbescheißerle) erfunden, um das Fleisch unsichtbar im Teig zu verstecken. Lustige Beispiele gibt’s noch mehr. Aber das ist echt nicht der Sinn der Übung. Und Gott, glaube ich, ist es relativ egal, was wir essen, wenn es uns gut tut. Ihm ist unsere Seele wichtig. In diesem Jahr heißt der offizielle Slogan der Kirche „ 7 Wochen ohne Pessimismus“. Kein Verzicht auf Genussmittel oder Technik, sondern auf die negative Einschränkung. Ich finde es ist super passend, obwohl man das bestimmt nicht im Entferntesten geahnt hat, was jetzt in dieser Zeit auf der Welt los ist, als es ausgesucht wurde. Ich möchte allen Mut machen, mit sich selbst in diesen 40 Tagen in Kontakt zu kommen, da wir ja durch Sozialfasten mit uns persönlich sehr viel zu tun haben werden. Vielleicht sind auch 7 Wochen ohne Schubladendenken, ohne Vorurteile, ohne Neid, ohne Angst zu kurz zu kommen eine tolle Erfahrung. Heilfasten für die Seele sozusagen und mit der Hoffnung auf Ostern eine frische Sicht und einen liebevollen Blick auf Gott und die Welt zu bekommen wäre eine Antwort auf die Frage, wozu das alles. Manchmal wird gerade in solchen Lebensphasen die eigene innere Prioritätenlist neu sortiert. Auferstehung also ist auch für uns möglich.

Bleiben Sie gesund!

Bis bald, Ihre Pastorin Petra Bockentin

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Kleine Hausandacht zum Osterfest 2020

Zum Downloaden und Ausdrucken bitte hier klicken: Kleine Hausandacht zum Osterfest 2020 „Er ist wahrhaftig auferstanden!“

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Osterbrief von Bischof Tilman Jeremias 2020

Gott hat uns nicht gegeben den Geist der Furcht,

sondern der Kraft und der Liebe und der Besonnenheit.“

(2.Tim 1,7)

Liebe Gemeindemitglieder im Sprengel Mecklenburg und Pommern,

wir alle leben in Zeiten, wie wir sie so wohl noch nie durchgemacht haben. Jemand sagte mir kürzlich: „Dass die Dinge sich so schnell ändern, habe ich das letzte Mal zur Wendezeit erlebt.“

Innerhalb von nur wenigen Tagen ist das öffentliche Leben zum Erliegen gekommen. Keine Kultur mehr, keine Treffen mit anderen, Einkaufen lediglich das Nötigste. Keine Reisen und Abwechslungen, stattdessen viel zu Hause-Sein, Arbeit im Überfluss für alle im Gesundheitssystem und in den Supermärkten, erzwungene Arbeitspause für viele andere, nicht selten verbunden mit enormen wirtschaftlichen Einbußen. Kinder wissen nicht mehr, wohin. Ältere warten vergeblich auf Besuch.

Dazu das mulmige Gefühl in der Magengegend, mit einer Gefahr leben zu müssen, die man nicht sieht oder fühlt, von der aber tödliche Bedrohung ausgehen kann.

Unsere kirchliche Arbeit lebt davon, dass wir zusammen kommen - zu Gottesdiensten, Andachten und Konzerten, in Gruppen, Kreisen und Chören, zum Unterricht und zum seelsorgerlichen Gespräch. Jetzt sind wir stark auf uns selbst zurückgeworfen, auf die Hilfe anderer. Wie soll es weitergehen? Wie können wir die Heilige Woche und Ostern feiern, ohne beieinander zu sein?

Gegenwärtig ist Fastenzeit. Und manchmal kommt es mir vor, als sollte die gesamte Menschheit gerade fasten – verzichten auf Fliegen und Auto fahren, auf Hektik und Betriebsamkeit, auf Event und Großveranstaltung. Wir sind ausgebremst und verlangsamt und das kann durchaus auch etwas Heilsames haben.

In den kommenden Tagen sind wir aufgerufen, uns den Leidensweg Jesu ins Gedächtnis zu rufen. Verraten vom eigenen Jünger, gefangen genommen wie ein Verbrecher, unschuldig verurteilt, gefoltert, qualvoll hingerichtet - der Menschensohn muss in die tiefsten Tiefen menschlichen Elends. Warum? Das Kreuz wird zum Zeichen, dass Gott selbst unser Leiden teilt. Die Auferstehung legt offen, dass Gott den Tod und alle Todesmächte besiegt.

Unsere Gottesdienste sind abgesagt - nicht abgesagt ist das persönliche Gebet, woran in vielen Kirchengemeinden das Hoffnungsläuten um 12:00 Uhr erinnert. Im Fernsehen und im Radio, vor allem aber im Internet, finden wir großartige Möglichkeiten, Gottesdienst zu feiern, ohne leiblich zusammen zu sein. Viele unserer Gemeinden organisieren Nachbarschaftshilfe, die Nordkirche hat ein Seelsorgetelefon eingerichtet, vielerorts läuten die Glocken und rufen zur Besinnung. Und ich selbst möchte Sie einladen, während der Ostertage eine kleine, schlichte Andacht zu Hause zu feiern, alleine oder mit denen, die um Sie sind, in Erinnerung an das erste Osterfest, im Bewusstsein: Ostern ist nicht abgesagt, sondern die Zusage neuen Lebens und der Auferstehung gilt uns. Sie finden diese Andacht als Beispiel beigefügt.

Jedoch möchte ich auch anregen, schon vorher, zum Ausklang dieser Passionszeit, mit häuslichen Andachten und Gebeten zu beginnen. Denn unsere Fürbitte ist momentan so wichtig! Für die Infizierten, die Sterbenden, die Verzweifelten und Einsamen, aber natürlich auch für Ärztinnen und Pfleger, für politisch und gesellschaftlich Verantwortliche. Mehr als je spüren wir gerade, wie wenig wir unser eigenes Leben in den Händen haben. Wir sind angewiesen, auf andere, vor allem auf Gott. Er ist es, der uns seine Geistkraft schenkt. Eine Geistkraft, die die lähmende Angst vertreibt und neuen Mut schenkt. Die uns die Herzen öffnet für den bedürftigen Nachbarn und uns lehrt, Vernunft und Maß zu wahren.

Ich wünsche Ihnen für die kommende Zeit, dass Sie im Vertrauen leben können, in Gottes guten Händen zu sein. Ihm können wir unsere Zukunft getrost ans Herz liegen, die momentan so ungewiss scheint. Ihm können wir unsere Lieben anbefehlen, um die wir uns sorgen.

Er schenke Ihnen in diesen Tagen seinen reichen Segen, inneren und äußeren Frieden, Geduld, ein liebendes Herz und eine stabile Gesundheit!

Herzliche Grüße, Ihr

Tilman Jeremias

Bischof

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Osterbrief der Landesbischöfin der Nordkirche Kristina Kühnbaum-Schmidt und des Erzbischof's von Hamburg Dr. Stefan Heße

Hamburg und Schwerin, 3. April 2020

Liebe Schwestern und Brüder im Erzbistum Hamburg und in der Nordkirche, zu Beginn der Karwoche grüßen wir Sie herzlich und wenden uns in ökumenischer Verbundenheit an Sie!

Wir durchleben eine bedrängende und bedrückende Zeit. Mit der Corona-Pandemie befinden wir uns als Menschheit in einer Ausnahmesituation, die so noch nie dagewesen ist und sich von anderen Krisen unterscheidet. Wenn wir uns in der Gemeinschaft der Glaubenden sonst aneinander halten,

wir uns als Menschen konkret nah sein und uns im lebendigen Miteinander unterstützen können, müssen wir diese spürbare Verbindung gerade jetzt vermeiden. Und niemand weiß, wie lange diese Distanz noch notwendig sein wird.

Seit mehreren Wochen halten sich unsere Kirchen an die Empfehlungen und Vorgaben der Behörden, gottesdienstliche Versammlungen bis auf weiteres auszusetzen. Auch damit soll die Ausbreitung des Corona-Virus verhindert werden. Uns allen fehlen die gewohnten Feiern in der Gemeinschaft mit den Schwestern und Brüdern im gemeinsamen Glauben. Aber der Apostel Paulus schreibt uns in Stammbuch:

„Gott hat uns nicht einen Geist der Verzagtheit gegeben, sondern den Geist der Kraft, der Liebe und der Besonnenheit“

(2 Tim 1,7).

Wir sind eine Gemeinschaft, die auf vielen, auch neuen Wegen tief verbunden ist und bleibt untereinander und mit dem dreifaltigen Gott. Für uns Christinnen und Christen beginnt mit dem Palmsonntag die Karwoche, die auf das Osterfest hinführt. Ostern ist für uns das größte Fest im Jahr. Jedem von uns fällt es wohl schwer, Ostern unter diesen Bedingungen zu feiern. Aber wir suchen und wir finden neue Wege, um die Osterfreude miteinander zu teilen.

„Ihr aber bleibt in der Stadt, bis ihr mit der Kraft aus der Höhe erfüllt werdet!“

Der Ausruf des auferstandenen Jesus an seine Jünger in Jerusalem kann uns in diesen Zeiten trösten und stärken. Wir müssen leider an diesem Osterfest unter uns im engsten Familienkreis, in der Hausgemeinschaft oder sogar alleine in der Wohnung bleiben. Auf die großen Festlichkeiten, auf die bewährten Traditionen und Riten, auf die familiären Begegnungen müssen wir aus gutem Grund verzichten. Und dennoch werden wir Ostern feiern. Das Fest der Auferstehung des Herrn fällt weder aus noch wird es verschoben. Gerade jetzt feiern wir die österliche Hoffnung. Gerade jetzt zeigen wir unsere Freude, dass in Gottes Namen Leid und Schmerz nicht das letzte Wort haben sollen. Wir werden das Osterfest feiern, wenn auch ganz anders. Liebe Mitchristinnen, liebe Mitchristen, auch wenn wir nicht im Miteinander das Gedächtnis des Leidens und des Todes Jesu Christi begehen und seine Auferstehung feiern, so können wir dies aber dennoch zusammen tun – jede und jeder von zu Hause aus. Nutzen Sie bitte dazu die medialen Wege von Radio, Fernsehen und Internet, die uns zur Verfügung stehen, und ebenso die altbewährten Gebets- und Gesangbücher. Beide Kirchen, die evangelische Nordkirche und das katholische Erzbistum Hamburg, wollen mit dem Läuten der Kirchenglocken am Ostersonntag um 12.00 Uhr die Osterbotschaft in die Welt hinaustragen. Wir laden Sie ein: Bitte beteiligen Sie sich mit Ihren Gemeinden an diesem besonderen Ostergeläut – damit die Botschaft der Auferstehung des Herrn sich ausbreitet und auch unsere Freude, dass wir mit der „Kraft aus der Höhe“ erfüllt werden. Mit Ihnen allen im Gebet verbunden, grüßen wir Sie herzlich, besonders die Alten und Kranken, die Einsamen und Verzweifelten. Wir wünschen uns allen in dieser herausfordernden Zeit die geteilte Freude des Ostertages:

„Der Herr ist wahrhaftig auferstanden!“ (Lk 24,34).

Ihre

Kristina Kühnbaum-Schmidt

Landesbischöfin der Nordkirche

Dr. Stefan Heße

Erzbischof von Hamburg

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