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 ADOLF FUCHS IM 19.JH
Podcast: Großmutter
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1835 BIS 1845 PASTOR IN KÖLZOW

Zeitsprung in das 19. Jahrhundert




Idylle oder Tristesse?

Das "versteckteste" Eckchen Deutschlands: Mecklenburg! Idylle oder Tristesse? Auch schon Mitte des 19.Jh eine verschieden beantwortete Frage. Ein Viertel seiner Einwohner entfloh seinerzeit der Tristesse, wanderte aus, erhoffte sich die wahre Idylle in der Fremde.

Am Donnerstag den 12.06.2008 um 19:00 Uhr wurde in der Kölzower Kirche eine Botschaft aus dem Jahre 1845 feierlich vorgetragen. Die Abschiedspredigt von Carl Adolf Friedrich Fuchs (1805-1885): 10 Jahre Pastor in Kölzow, gehalten unmittelbar vor seiner Auswanderung mit Kind und Kegel in Richtung Nordamerika.

Adolf Fuchs, ein Freund und Zeitgenosse von Hoffmann von Fallersleben (1798-1874, "Das Lied der Deutschen", dessen dritte Strophe die Nationalhymne der Bundesrepublik Deutschland ist, aber auch "Alle Vögel sind schon da", "Ein Männlein steht im Walde" u.s.w.).
Adolf Fuchs als Autor? Das einzige uns bekannte Werk : 'Robert - ein geistlicher Roman' . Darin schildert Adolf Fuchs sehr plastisch seine Erlebnisse als Kandidat, Hauslehrer und schließlich Pastor in Kölzow. Das Bild oben zeigt ein Exemplar der Ausgabe von 1842. Dankenswerter Weise hat sich der Verlag Uwe Laugwitz zu einer Neuauflage bereitgefunden.

Ottilie Goeth, Tochter von Adolf Fuchs, beschreibt in ihrem Buch "Was Großmutter erzählt" den Neuanfang der Familie in Texas, aber auch die Erinnerungen an ihre Kinderzeit in Kölzow und eine Reise um 1905 in die alte Heimat, machen das Buch unbedingt lesenswert. Der Neudruck der Ausgabe San Antonio 1915 ist jetzt auch erhältlich bei Verlag Uwe Laugwitz
Alle guten Dinge sind Drei: "Texanische Lieder" von Heinrich Hoffmann von Fallersleben. Ich behaupte, daß ohne den Kölzower Pastor Adolf Fuchs dieses Werk kaum das Licht der Welt erblickt hätte! Wie zu beziehen? Große Überraschung: Verlag Uwe Laugwitz , Tel. 04181-38895!

Wer die englische Ausgabe lesen möchte: www.authorhouse.com




 

Adolf Fuchs 1835 bis 1845 Pastor zu Kölzow

 

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Der Stern von Texas

Heinrich Hoffmann von Fallersleben, 1845

Der Stern von Texas

Hin nach Texas! hin nach Texas!
Wo der Stern im blauen Felde
Eine neue Welt verkündet,
Jedes Herz für Recht und Freiheit
Und für Wahrheit froh entzündet -
Dahin sehnt mein Herz sich ganz.

Hin nach Texas! hin nach Texas!
Wo der Fluch der Überlief'rung
Und der alte Köhlerglaube
Vor der reinen Menschenliebe
Endlich wird zu Asch' und Staube -
Dahin sehnt mein Herz sich ganz.

Hin nach Texas! hin nach Texas!
Wo die Pflugschar wird das Zeichen
Der Versöhnung und Erhebung,
Daß die Menschheit wieder feiert
Ihren Maitag der Belebung -
Dahin sehn mein Herz sich ganz.

Hin nach Texas! hin nach Texas!
Gold'ner Stern, du bist der Bote
Unsers neuen schön'ren Lebens:
Denn was freie Herzen hoffen,
Hofften sie noch nie vergebens.
Sei gegrüßt, du gold'ner Stern!

> 1. Gedicht des Büchleins "Texanische Lieder" (Verlag Uwe Laugwitz)




 

Abschiedspredigt von Carl Adolf Friedrich Fuchs

Friede sei mit Euch!
Aber warum – warum willst Du denn von uns, hinaus in ein unsicheres Dasein? Ihr könnt aber mit Recht von mir fordern, daß ich Euch Rechenschaft gebe – wenigstens in der Hauptsache – über die Gründe, die mich von hinnen treiben; und das will ich denn jetzt unter Gottes Beistand thun. Auch ich habe meine äußern und meine innern Gründe, oder mit anderen Worten, meine niedern und meine höheren, meine irdischen und meine religiösen.
Von den irdischen zuerst. Es gibt Menschen genug, welche noch immer nicht glauben wollen, daß in unserm deutschen Vaterlande, wie wohl einst in Mesopotamien, der Menschen zu viele sind, oder daß wir, wie man's zu nennen pflegt, an Übervölkerung leiden. Und freilich könnten wohl bei uns der Menschen noch viel mehr wohnen, wenn nämlich Manches bei uns anders wäre, als es ist, wenn zum Beispiel die Güter dieser Welt, und namentlich der Grund und Boden, nicht so ungleichmäßig vertheilt wären. Es ist aber einmal nichts anders, und – es ist schwer, die Dinge anders zu machen, als sie seit Jahrhunderten sind; schwer, sage ich, ist das zu erreichen auf dem Wege des Rechts: und auf dem Wege des Unrechts? - durch Aufruhr und Blutvergießen? O – der Himmel bewahre mein Vaterland vor den Gräueln der Revolution! Nein, meine Theuren, wenn es einmal nicht zu läugnen ist, daß es den Bewohnern unseres Vaterlandes, und namentlich den Vätern großer Familien, von Tage zu Tage schwerer gemacht wird, sich und die Ihrigen ehrlich durch's Leben zu bringen, weil nämlich der Andrang zu jeder Art von Erwerb von Tage zu Tage unerhört zunimmt – und das ist eben das Zeichen von Übervölkerung; wenn es ferner nicht zu läugnen ist, daß auf diese Weise Armut und schlechte Sitten – immer mehr überhand nehmen müssen; so gilt es, die geeigneten Wege einzuschlagen, um diesen Leiden abzuhelfen. Warum denn in's ferne Land? Ist nicht die Erde überall des Herrn? Und ist das Deine Ergebung, Deine Demuth? Ja, wohl habe ich Euch oft, und mit aufrichtigem Herzen zugerufen: sorget nicht! sehet die Vögel unter dem Himmel, und die Lilien des Feldes: aber niemals habe ich gesagt: laßt Eure Hände unthätig im Schooße ruhen, lasst nun Alles gehn, wie es will, und wartet, bis der Herr für Euch sorgen wird; vielmehr habe ich Euch oft daran erinnert, wie es eben des Herren Wille sei, daß der Mensch im Schweiße seines Angesichts sein Brod esse. Und, warum in's ferne Land, meinet Ihr, die Erde sei ja überall des Herrn? Nun, eben weil sie überall des Herrn ist, so jenseit, wie diesseit des Meeres; ja, weil überall auf Erden dieselbe Sonne scheint, und derselbe himmlische Vater segnet, Lieben, es ist sicherlich nicht Gottes Wille, uns in einem überbevölkerten Lande verkümmern zu lassen, währen die reichsten Länder der Erde noch menschenleer sind.
Und so komme ich denn dazu, Euch auch die innern Gründe zu nennen, welche mich bewegen, Euch zu verlassen. Ihr Lieben, wenn ich so eben sagte: ich will in den leiblichen, zeitlichen Dingen lieber von Gott, als von den Menschen abhängig sein, so gilt mir das noch viel mehr von den geistigen und also auch noch von den religiösen und kirchlichen. Nun ist aber dies meine Meinung – obgleich nicht bloß die meinige, sondern die von vielen tausend Christen unserer Tage: - daß unser öffentliches religiöses, das heißt unser kirchliches Leben in seiner ganzen Einrichtung im Argen liegt; daß es himmelweit verschieden ist von der Kirche, die Christus zu stiften gekommen war, und daß es kaum eine Spur hat von der Freiheit, die, wie er sagte, durch die Wahrheit kommen soll. In Menschensatzungen ist die Freiheit der Kirche zugrunde gegangen, in Menschensatzungen über dies, die nicht einmal von dem Willen der gesammten Kirche, das heißt aller Gläubigen, ausgegangen sind, sondern nur von einzelnen Mächtigen in derselben, die als Priester oder Könige das religiöse Leben aller Übrigen bevormundeten. Eine ächt christliche Kirche kann aber nur da bestehen, wo keinerlei Gewissenszwang und Glaubenszwang sich findet; wo die Gemeinde, das ist die Gesammtheit aller Gläubigen, völlig frei, durch ihre selbstgewählten Vertreter, ihr öffentliches religiöses Leben nach bester Einsicht ordnet. Solche Religions-Freiheit, zwar nicht nach Außen, aber in ihrem eigenen Innern, besaß die erste christliche Kirche mit ihren Ältesten oder Vorstehern; und kehren wir nicht zu ihr zurück, so wird unser kirchliches Leben sicherlich immer mehr verfallen, und die Theilname der Christen am Christenthum immer mehr verschwinden! O, wahrlich, darin ist es schon weit genug gekommen! Auch bei Euch, Ihr lieben Christen? Aber daß das öffentliche religiöse Leben unter Euch sich keiner großen Theilnahme erfreut, das habe ich schmerzlich erfahren schon am Tage meiner Antrittspredigt, welche nicht mehr als 14 Zuhörer fand. Wenn aber nun später die Zahl derer, welche hier Gott die Ehre gaben, oft nicht größer, vielmehr häufig noch geringer war – war ich denn nicht vielleicht selbst schuld daran? Ja, wohl bekenne ich's offen, daß mir jezuweilen bei der Vorbereitung auf den Sonntag der fröhliche Muth und der heilige Eifer fehlte, wenn ich wiederum erwarten mußte, in einem leeren Gotteshause zu predigen. Oder war ich vielleicht aus einem andern Grunde schuld daran? Vielleicht konnte und durfte Euch das nicht gefallen, was ich Euch hier für meine Meinung gab, weil es – ja weil es nicht Das war, was Ihr unter dem wahren Christenthum verstandet? Nein, darin bin ich schuldlos. Denn unmöglich konnte ich Euch doch etwas Anderes für meine Meinung geben, als was ich, ich selbst für wahres Christenthum, oder für die Hauptsache im Evangelium hielt! Sollte Euch das nicht gefallen haben? Etwa, daß ich immer einen höheren Werth legte auf das Auferstehen vom Schlaf und auf das In – einem – neuen – Leben – wandeln, als auf die Auferstehung des Heilandes? einen höheren Werth auf den Wandel im Himmel, als auf seine Himmelfahrt? oder daß mir sein reines Leben und seine Gottesbegeisterung immer viel wichtiger waren, als alle die Wunder die mit ihm und durch ihn geschahen? daß mir das Wort: Ihr seid meine Freunde, so Ihr thut was ich Euch gebiete, wichtiger war, als das von dem Lamm, das der Welt Sünde trägt? das Wort von der Liebe wichtiger, als das vom Glauben und von der Hoffnung? - Wäret Ihr darin anderer Meinung gewesen? Nun, wie gesagt, so wäre ich schuldlos, denn ich konnte Euch unmöglich etwas anderes für von mir erkannte Wahrheit geben, als was ich für Wahrheit hielt. Das also beunruhigt mich nicht. Die religiösen Ansichten der Menschen werden immer verschieden bleiben, auch wenn man sie äußerlich zu einer Heerde vereinigt, ja, wenn auch überall auf Erden noch einmal Ein Hirt und Eine Heerde werden sollte; es kann nicht anders sein, so gewiß die Verstandesbildung und die Schicksale der einzelnen Menschen immer verschieden bleiben werden. Aber eben darum soll man auch jedem Einzelnen, und jeder Gemeinde, und jeder Partei ihren Glauben, ihr Gewissen, und ihre Gottesverehrung lassen – das ist Religions-Freiheit! - und soll nicht meinen, man müsse aller Menschen Geister unter Einen Buchstaben vereinigen – das ist Knechtschaft! - und das gebiert nur Verfolgung und Heuchelei. Und eben darum paßt auch nicht jeder Prediger für jede Gemeinde, wenigsten nicht für die Mehrzahl, welche natürlich immer entscheiden muß. Ihr Lieben, Ihr könnt weder einen reformierten Prediger gebrauchen, noch einen katholischen, noch einen deutsch-katholischen, noch – mich. Es muß ein Prediger sein, der in seinen religiösen Ansichten wenigsten mit der Mehrzahl unter Euch möglichst genau übereinstimmt. Und einen solchen, das hoffe ich, habt Ihr in meinem Nachfolger erwählt. Euch allen, Männern und Frauen, Alten und Jungen, wünsche ich Frieden und Freude und einst ein seliges Ende, durch Jesum Christum!
Amen




Danke an Ken Fuchs!

Ur- Ur- Enkel von Adolf Fuchs in Temple, Texas Entdecker, Übersetzer, Initiator !




 
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