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1807-1834 Pastor Carl Christian Hincke




 

1811 war die große Bronzeglocke nicht mehr zu gebrauchen. Die kleine Glocke hatte keinen ganz einwandfreien Klang, diente nun aber der Gemeinde für alle Zwecke.

1815 erwarb Joh. Heinrich Röhl das Gut Kölzow. Ihm gelang es, in Kölzow Zucker herzustellen. Er hatte in Rostock eine Zuckersiederei und wollte den in Kölzow gewonnenen rohen Zucker dort raffinieren. Hiergegen protestierten alle Städte in Mecklenburg. Es kam zu einem Prozeß. Der Grund der Klage lag darin, daß die Städte nach der Mecklenburgischen Verfassung es nicht zulassen durften, daß auf dem platten Land ein Fabrikunternehmen oder ein städtisches Gewerbe errichtet wurde. Der von den benachbarten preußischen Staaten eingeführte rohe und fertige Zucker erbrachte diesen bedeutende Zölle.

Joh. Heinrich Röhl ließ täglich 100 Zentner Rüben verarbeiten. Dazu benötigte er zum Reiben mit Hilfe eines Wasserrads zwölf Frauen und zum Pressen sechs Männer und einen Meister. Gearbeitet wurde von morgens 8 Uhr bis nachts 24 Uhr. Nach dem Zusammenbruch der Röhlschen Zuckerträume, verfiel das Fabrikgebäude. Noch heute ist in Kölzow eine alte Ruine in der Nähe des Maibachs am Mahlberg zu sehen. Die Ein heimischen nennen den Mahlberg »Zuckerberg«.

Der allgemeinen Armut zu entfliehen gelang einigen Dorfbewohnern in den Städten. Alle Personen, die zum Beispiel in der Stadt Ribnitz das Bürgerrecht erwerben wollten, mußten im Rathaus ein Bürgergeld zahlen und bis 1838 einen Feuereimer zum Löschen von Bränden abgeben, da es noch keine Feuerwehr gab. Alle Handwerker und Gewerbetreibende leisteten einen Eid und ließen sich im Bürgerbuch eintragen. Von 1838 bis l841 zahlten sie zusätzlich einen bestimmten Betrag in die Schulkasse und Brandkasse ein.
Ab 1841 erhoben die Ratsherren anstelle des Feuereimers einen Geldbetrag und eine Zahlung in die Armen kasse (1 Taler = 3 Mark =48 Schillinge).
»4. Decem. 1820, Johann Ernst Moll aus Dammerstorf gebürtig, hat als Goldschmied das Bürgerrecht erworben, gibt Bürgergeld und das Feuer-Eimer Nr. 1140.«
» Arbeitsmann Joh. Fried. Peter Schmoch aus Kölzow zahlt an Bürgergeld 2 Reichstaler und 44 Schilling, in die Brandkasse 2 Reichstaler .... in Summe 16 Reichstaler und 2 Schilling.«

Um 1820 unternahm der Gutsbesitzer Joh. Heinrich Röhl den Versuch, Seidenraupen zu züchten. Mit Erfolg! Das Generalkomitee des landwirtschaftlichen Vereins in München verlieh ihm eine Medaille für den 10. Preis!
Aus Mangel an Raum zog er nur ca. 2200 Raupen, die mit MauIbeerblättern und, als Ersatz, mit Schwarzwurzelblättern gefüttert wurden. Entlang des Wiesenweges wuchs bis etwa 1950 noch eine MauIbeerhecke.

Nachdem Joh. Heinrich Röhl im Jahre 1832 verstorben war, verkaufte die Witwe das Gut 1833 an den Gutsbesitzer von Dettmannsdorf, Otto von Prollius, Justizrath zu Güstrow, der inzwischen zweimaliger Witwer und gut bemittelt war. Seine Güter ließ er durch Pächter bewirtschaften bzw. durch Inspektoren verwalten. Noch im selben Jahr veränderte sich das Dorf- und Hofbild von Kölzow, da baufällig gewordene Ställe und Scheunen niedergerissen und an anderer Stelle neue errichtet wurden.

1834 entstand ein größeres Wirtschaftshaus mit einer Länge von 98 Fuß, einer Breite von 42 Fuß und zwei massiv gewölbten Kellern.




1835-1845 Pastor Adolf Fuchs




 

1835 wurde Carl Adolf Friedrich Fuchs, ehemals Konrektor in Waren, Pastor zu Kölzow.
Sein Vorgänger Carl Christian Hincke hinterließ eine Witwe mit sechs Kindern. Da Pastor Fuchs selbst fünf Kinder hatte und ums tägliche Brot ringen mußte, bewarb er sich im Januar 1839 um eine zweite Dompredigerstelle in Güstrow. Sein Antrag wurde abgelehnt. Er resignierte und wanderte mit seiner Familie 1845 nach Texas aus. In seiner Abschiedspredigt, die er noch vor seiner Einschiffung in Hamburg drucken ließ, heißt es:
»Ich habe es satt von dem Überfluss der Reichen, dem Schweiße der Armen mein Dasein kümmerlich zu fristen. Euch Armen predige ich Mut und Euch Reichen Demut. Meine Axt auf dem Rücken und mein Lieschen an der Hand, gehe ich aus meinem Vaterland und aus meiner Freundschaft, in das Land jenseits des Weltmeeres.«

Zu einem Tessiner Kaufmann äußerte er sich bei seinem Fortgang:
»Meine Gläubigen nehmen immer mehr ab, meine Gläubiger immer mehr zu«.

Nach Mitteilung des Kölzower Patrons Otto von Prollius, war er
"ein Pastor voll imponierender Gewalt".

Pastor Adolf Fuchs blieb auch von Amerika aus mit seiner Gemeinde in Verbindung. Er schickte an Gemeindeglieder seine gedruckte Abschiedspredigt und berichtete ihnen über sein gutes Ergehen im »Lande der Freiheit«:
»Laß auch meine lieben Kölzower den Brief lesen. ja, ich grüße meine liebe Gemeinde herzlich und wünsche ihr all das Gute, das ich zuletzt gegen Sie ausgesprochen habe. «

Er verließ das kirchliche Amt, versuchte sich in der Landwirtschaft, interessierte sich dann für das Bildungswesen und gab Musik am Baylor Mädchen College.

1892 weilte seine Tochter Ottilie Goeth zu Besuch in Deutschland. Nach ihren Berichten habe er es in Amerika zu großem Wohlstand gebracht.




1845-1863 Pastor Georg Friedrich Ellmann




 

1845 bestand die Gemeinde aus sechs Gutsdörfern mit 99 Familien. Davon waren 65 Tagelöhner, fünf Statthalter (Verwalter), vier Schäfer, vier Schmiede, vier Weber, vier nicht näher bezeichnete Einlieger, drei Hirten, zwei Müller, zwei Schullehrer und je ein Schneider, Tischler, Kutscher, Maurergeselle, Holzwärter und Jäger.

1846 wanderte eine Familie Rode aus Grünheide nach Texas aus. Als deren Nachkomme meldete sich 1981 ein Pastor Rode, der mit seiner Familie die Heimat seiner Voreltern und die Kirche in Kölzow besuchte.

1849 kam es zum Aufbau eines Schweinestalls hinter dem Pfarrstall, und an der Rostock-Sülzer Landstraße entstand ein Schmiedehaus.

1853 trägt sich der Schiffszimmergeselle Johann Joachim Ludwig Ladewig, gebürtig aus Kälzow, ins Bürgerbuch der Stadt Ribnitz ein, 1857 der Arbeitsmann Wilhelm Joachim Friedrich Raht aus Wöpkendorf, Johann Heinrich Ludwig Gruel aus Dammerstorf und Friedrich Johann Christoph Ohlerich aus Kölzow. Sie alle zahlten die üblichen Gebühren.

1862 ließ Otto von Prollilus die Wassermühle in Fahrenhaupt mit der Müllerwohnung, der Scheune und dem Stall mit Anbau niederreißen.




 
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