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1691-1731 Pastor Daniel Nicolaus Rodbert




 

1704 forderte der Herzog Friedrich Wilhelm von Mecklenburg-Schwerin in seiner Funktion als oberster Kirchenherr seine Pastoren auf, detaillierte Berichte über ihre Kirchenspiele anzufertigen. Das in Kölzow von Pastor Daniel Nicolaus Rodbert erstellte Beichtkinderverzeichnis berichtet von 237 Personen. Davon 140 erwachsene Beichtkinder (konfirmierte Gemeindeglieder) und 97 Kinder im Alter von 14/15 Jahren.

Im Kirchspiel Kölzow waren noch fünf Bauernstellen vorhanden, von denen aber nur noch vier besetzt waren. Kölzow war mit 88 Einwohnern das größte Dorf. Es gab 18 Familien. Auf dem Gut arbeiteten zehn Arbeitskräfte, von denen neun untertänig waren. Sie wohnten außer im Pfarr- und Küsterhaus in dem Witwenkaten, der Schäferei, in vier Bauernhäusern, in zwei Katen, in der ehemaligen Schmiede, in dem Hirtenkaten und auf der Vahrenhoper Mühle. Früher gab es zwei adlige Höfe, zwei Schäfereien, sechs Bauleute, neun Kossaten (Kleinbauern) und einen Schmied.
»Der Rosenfeldts Hof genand ist ganz verwüstet und der Erden gleich gemach et, daher dem Prediger ein groß es accident jährlich abgehed«.

Landdrost Lützow, der Landverwalter, bewirtschaftete diesen Hof mit, entrichtete jedoch dem Pastor nicht die ihm zustehenden Leistungen.
Pastor Rodbert berichtete über einen Bauernhof in Kölzow:
»Das 3te Bauernhaus hat im verwichenen Jahr bewohnet Wilcken Jacobs, ein Unterthan, hat aber, nach dem seine Frau Barb Dettmanns gestorben, im Frühling davonlaufen müssen, stehet also daßelbe gantz wüste und in einem elenden Zustande. «

Aus den Kirchenbüchern geht u.a. auch hervor, daß schon 1704 »der Zimmermann und Krüger, Jürgen Schnidter, 40 Jahre alt, mit seiner Frau Sophia, geb. Hingst, 30 Jahre alt, mit einem Sohn Jürgen, ein halbes Jahr alt, als freie Leute einen »Krug« in Kölzow bewirtschafteten«.

In den Jahren von 1704 bis l706 gab es erhebliche Differenzen zwischen dem Patron der Kirche, Johann Christian von Lützow, und dem Pastor Nicolaus Rodbert.
"Der Junker von Lützow repariert nicht die Ställe des Pastors, so daß er kein Vieh halten kann, obwohl es ihm vom hochfürstlichen Consistor »anbefohlen« worden war. Auch verweigert er dem Pastor das Geldopfer und die Naturalerhebungen in Form von Eiern, Broten und Mettwürsten für die wüsten Bauernhufen in Kölzow. Stattdessen gab er nur das Meßkorn."
So schrieb der resignierte Pastor:
»der arme Prediger (kann) mit den Seinigen...nur schmachten, sie hingegen (der Adel) möge wolleben«.

Pastor Rodbert trat dafür ein, daß die Dörfer wieder mit Bauern besetzt werden, damit
»die geistlichen Persohnen nicht ihr Ampt mit seufzen verrichten müßen«.

Dafür verlangte der Junker von Lützow eine nicht übliche kirchliche Neuerung. Bis jetzt hatten die Patrone und bürgerlichen Eingepfarrten gemeinsam mit der Gemeinde das Heilige Abendmahl gefeiert. Nun bauten sich die Patrone eigene Kirchenstühle mit separaten Zugängen und verlangten vom Pastor die Privat- kommunion. Pastor Rodbert trat dem Patron mutig entgegen und schrieb ihm, "
er möge von seinem unwilligen Vorsatz absehen und das Heillge Abendmahl öffentlich vor dem Angesicht der Gemeinde nehmen, weil er dieses Ärgernis der Gemeinde nicht zumuten könne. Nur im Falle der Not könne er ihm das Heilige Abendmahl privat und allein reichen."

Dieser ging darauf nicht ein, sondern erlangte vom Herzog die Genehmigung, daß der Pastor zu Marlow ihm das Abendmahl privat spenden durfte, der es auch tat !!!

1707 wurde Kölzow durch die Witwe von Lützow für den halben Preis an Hauptmann Joachim Ernst von Krakwitz verkauft.

Am 18. Juli 1709 ging Kölzow für 13700 Taler auf 20 Jahre pfandweise an den Lübecker Syndikus Johann Georg Gützmar (seit 1712 geadelt als Gützmar von Gußmann, gest. 1716) über.

Um 1715 war der »elende Zustand der Kirche schon so groß, daß man genug sahen, spührete, es würde ihr allgemach mit einer kleinen Ausbesserung wenig geholfen werden, und die Herrn Patroni kräftig genötiget zu einem gar lästigen und kostbaren Bau sich gefaßt zu machen«.

1717
übernahm der Sohn des Gützmar von Gußmann, Ernst Friedrich Gützmar von Gußmann das Gut. Er stiftete der Kirche einen Altar.




 



 

Als die Patrone nun die Absicht hatten, den baulichen Zustand zu verbessern, stürzte im Jahre 1729 das Kirchendach bei
»hellem Sonnenschein und stillem Wetter, Gottlob ohne einiger Selen Beschädigung« ein.
Daraufhin sahen die Patrone sich veranlaßt, die Kirche mit allem Eifer wieder aufzubauen.

1731 war sie soweit fertig, daß die Gemeinde darin Platz nehmen konnte, nachdem sie sich eine Zeit lang im Chor vor dem Altar zum Gottesdienst versammelte und sich »etwas kümmerlich behelffen« mußte.
Die Baukosten erstreckten sich auf ca. 900 Taler. Aus Liebe zur Kirche stellten die Herrn Patrone die vielen Fuhren und Handdienste der Kirche nicht in Rechnung. Sie bezahlten sogar die anfangs angeliehenen 300 Taler vom Ribnitzer Kloster, damit sich die »auffschwellende Zinsen Last entübrigt«.

1731
wurde Brunstorf von Marlow nach Kölzow umgepfarrt.




1732-1768 Pastor Johan Christian Schmidt




 

1733 wurde Nicolaus Sachs »auf dem Krug«, unweit der Rostock-Sülzer Landstraße, benannt.

1734 hat der Pastor Schmidt für 8 Schilling eine schwarz angestrichene Bank von Tannenholz anschaffen müssen, für
»dem Gesäß der notorisch büßender Sünder« .

1736 erhandelt Pastor Schmidt sich von dem Bauern Fresen Stroh, um damit den neuen Teil des Pfarrstalls zu decken zu können.
»Meister Lantau, des Müllers zu Fahrenhop hat nebst seinen Gehülfen an der Pfarr-Scheunen gearbeitet und einen neuen Einzug am Ochsens tor gemacht, dafür er am Tage 16 Schilling Lohn und Bier bekommen. Ein Gläser aus Tessin verfertigt ein neues Fenster hinter dem Altar und flickt die alten aus.«. Almosen reichte Pastor Schmidt den Armen »nach seinem wenigen Vermögen, ohne die Kirche damit sonderlich zu beschweren, da zu mahl die gute Ordnung der district Leuter, die unverschämten Bettler ziemlich von der Thüren gehalten, und die Gabe eines oder anderen Schillingen nach mehren theils zu reichend gewesen«.
Nur mit Genehmigung des Patrons oder glaubwürdigen Zeugnissen von der herzoglichen Regierung gab der Pastor von dem Kirchenkapital ein Almosen.
»Eines Theils weil die Kirchen gar häufige und wichtige Ausgaben gehabt; andren Theils weil ein weniges gar vielen Notleidenden, zu mahl denen aus unserer Nachbarschaft nur wenig würde gedienet haben; oder viel mehr, weil ich mich nach den Augenschein des Tessinschen Feuers hertzlich gedrungen befunden, dem lieben Gott eine eigene Brand und Dank-Steuer zu entrichten: annerwegen ich selbst ehedeßen mit der Ruthe der FeuersNoth bin gestäupet worden.«

1738 konnte zur Beerdigung der Ehefrau des Hans Schmocken nebst deren neu geborenen Kindes,
»wo bey der Glocken fehlens halber, kein völliges Geläut erfolgen«.

An Hand von Rechnungen ließ sich 1744 folgender Zustand des Pfarrhauses ablesen:
»Im Monat Juli hat der Maurer Lütckemann, laut Quittung, 13 Tage nebst seiner Frau, als Handlangerin, an und in dem Pfarr-Hause gearbeitet, teils das ganze Fundament des Hauses, das sehr verfallen gewesen zu bessern, teils das Dach samt den Schornsteinen zu reparieren, teils die ab und ausgefallenen oder durchsichtig gewordenen Wände des Hauses hin und wieder zu recht zu machen. Täglich haben sie empfangen 3 Kannen Bier«.

Betreiber des Kruges war Hans Schliemann und ab 1745 ein Mann namens Dose. Zu der Zeit lebte in Wöpkendorf der Branntweinbrenner Joachim Janke.

In Kölzow wirtschafteten 1751 zwei freie Vollbauern und vier Kleinbauern, von denen zwei frei und zwei untertänig waren. Weiterhin gab es einen Schuster, Schneider, Schmied, Schäfer, Hirten, Häker, Krüger und Statthalter. Die Fahrenhaupter Mühle gehörte in dieser Zeit zu zwei Teilen nach Kölzow und einem Teil nach Fahrenhaupt.

Der herzogliche Fiskal war bemüht, das willkürliche Bauern legen zu verhindern, da diese die Steuerkraft des Landes verminderte. Deshalb prozessierte die herzogliche Regierung gegen Ernst CarI Dietrich von der Lühe wegen Legung von Kölzower Bauern, die ihn angeblich darum ersucht hätten, ihnen ihre Bauernstellen abzunehmen und sie zu Katenleuten zu machen.

1752 schrieb Pastor Schmidt:
»Weil dem alten Ofen meiner Studier Stube, der aus alten Stücken zusammen geflikket gewesen, durch keinerley Künste gewehret worden, können meine Bücher und Sachen auf der Stube, ja auch meine Gesundheit zu verderben, so hat er verworffen und dafür ein neuer gesetzet werden müssen. Und nach dem er gesetzet beweiset es sich so wo! sparsamer in Ansehung des Holzes, als auch nuzbarer, in Ansehung der Wärme. Dem Ofen der unteren großen Stube, waren die Decken, die Zunge, das Rohr und die Stangen so verdorben und verfallen, das ihm nicht anders als durch Umsetzung geholfen werden konnte«.
Jährlich weißte ein Maurer die Stuben des Pfarrhauses.

Seit dem Bau des Witwenkatens gewährte der Patron dem Pastor jährlich 6 Taler an Miete. Da die Kirchenkasse aber ab 1735 völlig leer ist, wartete der Pastor geduldig bis 1756. In diesem Jahr waren die Einnahmen der Kirche soweit gestiegen, daß er sich die Miete von 1732 - 1740 aneignen konnte.

1758 hing im Kirchturm eine große und eine kleine Glocke

1724 hatte die Kirche dem Schuster Hagen aus Tessin ein Darlehen von 22 Talern gewährt, wofür er jährlich einen Zins von 1 Taler 3 Schillinge und 6 Pfennige zu zahlen hatte, was er nicht tat. 1740 zogen die Patrone eine Klage beim Stadt-Vogt in Tessin in Erwägung, befürchteten jedoch, daß seine
»hoch auf geschwollenen Zinsen, nicht herbey geschafft werden können«.
1746 fand sich endlich der Schuster ein und tilgte auf Abschlag 2 Taler und 1 2 Schillinge. Auch Bittbriefe führten zu keinem Erfolg. 1761 einigten sich die Patrone, »daß er nur überhaupt 22 Taler Capital und Zinsen bezahlen dürfe, welches er auch getan und ihm darauf die Obligation zurückgegeben«.

1761 starb Ernst Friedrich Gützmar von Gußmann ohne einen Erben zu hinterlassen. Durch Rückführung gelangten Dettmannsdorf und Kölzow an den Hauptmann Ernst CarI Dietrich von der Lühe und damit an die erbherrliche Familie zurück.

1764 stellte der Hauptmann Ernst Carl Dietrich von der Lühe auf Dettmannsdorf einen Antrag zur Umpfarrung von Ehmkendorf, da er auf Ehmkendorfer Grund und Boden eine Glashütte angelegt hatte und den Glashüttenarbeitern der Weg zur Kirche nach Sülze zu weit war.
"Außerdem blieben die Glasarbeiter nach dem Gottesdienst zu lange im Sülzer Krug sitzen, da es in Kölzow keinen »Krug« gebe".

Vermutlich hat für gewisse Zeit eine Umpfarrung stattgefunden, oder es gab für die Glasarbeiter eine gesonderte Regelung, da Ehmkendorfer genau zwischen 1764 und 1770 ihre Kinder in Kölzow taufen ließen und gleichzeitig Ehmkendorfer Glasmacher und deren Angehörige von der Hütte in Kölzow beerdigt wurden.

1767 gab der Hauptmann von der Lühe, dem Pastor
"zu Liebe und der Schwachheit halber, den Kandidaten Hinck als Gehilfen bei".

Die entstandenen Kosten für die Ordination reichte man dem Superinterdent aus Güstrow. Ihm wurden die Pferde und Fuhrleute besorgt, verpflegen durfte er sich im Kruge.
»So wie der seelige Rodbert seinen Sohn als Gehilfen bekam und dieser von der Kirche 10 Reichstaler jährlich erhielt, so hat auch der Herr Hauptmann von der Lühe meinem Gehilfen jährlich 10 Reichstaler in Aussicht gestellt. «
Auf Anfrage des Pastors wegen der Taufgebühren eines zu frühzeitig geborenen Kindes, erhielt er folgende Antwort:
»...daß, wenn es ein während der Ehe, wie wohl nur einige Monate nach der Hochzeit erzeugten Kindes, den Namen eines Huren Kindes beigelegt, ebenso unanwendlich, als die Verordnung des Bußtalers, in diesem Fall unbegründet sei«.

1768 mußte Müller Jurs eine geborstene Glocke herunterwinden. Diese wurde in Rostock gewogen und neu gegossen. Sie war die größere der beiden. Auf ihr standen die Namen Ernst Karl Dietrich von der Lühe, Pastor Christian Schmidt, der Rostocker Gießer Joh. Wal. Schulz und die Jahreszahl 1768.




Karte von 1769




1768-1807 Pastor Carl Friedrich Hincke




 

1770 drohte der Turm der Kirche einzustürzen. Der alleinige Patron der Kirche, der Hauptmann Ernst Karl Dietrich von der Lühe auf Dettmannsdorf und Kölzow, veranlaßte, denselben herunter- zunehmen und einen neuen auf der Stelle wieder aufzubauen. Im ganzen Land der schwerinschenund mecklenburgischen Superintendentur wurde für diesen Turm gesammelt. Eine milde Gabe reichte u. a. der Ziegler von Kannenberg. Demzufolge könnte es eine Ziegelei zwischen Kanneberg und Wöpkendorf gegeben haben

Am 13. Juli 1773 nahm das ritterliche Landgut Kölzow die vier Pfarrhufen in Erbpacht, da ihre ungenügende Bewirtschaftung die junkerliche Gutswirtschaft behinderte. Diesem Vertrag ging eine umfangreiche Bestandsaufnahme voraus.

1777 veranlaßte Fräulein Sophia von der Lühe aus dem Hause Dettmannsdorf mit Hilfe einer Auszahlung aus ihrem Testament,
»auf dem Pfarr Grund und Boden zu Kölzow ein neues Haus zu bauen«.
Der Küster gab den Zimmerleuten und Maurern ein Nachtquartier. Der ungelöschten Kalk
»nahmen Emckendorffer Bauern aus Rostock mit, Mauersteine holte man aus Zarnevantz und Wöpckendorf«.
Der Prediger führte das Rechnungsbuch, in dem er sämtliche Ausgaben der Handwerker, den Lohn des Tagelöhners, der den Lehm vorbereitete, jegliches Baumaterial bis hin zum gereichten Bier, aufschrieb.

1779 bis 1801 gehörten das Gut Kölzow und das Bauerndorf Ehmkendorf dem Kammerherrn Georg Christoph von Behr.

Am 30. Januar 1787 brannte in Kölzow ein zweihischiger Katen ab.

1789 erfolgte der Neubau eines Katens mit einer Länge von 55 Fuß und 28 Fuß in der Breite (1 Fuß = 29,1 cm).

1792 entstand ein neues Küsterhaus mit Stall.

1798 wurden die letzten Bauern im Kirchspiel Kölzow niedergelegt. Grund dafür war die Einführung der holsteinschen Koppelwirtschaft. Sie verdrängte die Drei- bzw. Vierfelderwirtschaft, die darin bestand, daß die Feldmark eines Dorfes grundsätzlich in ständiges Ackerland und ewiges Weideland aufgeteilt war. Angebaut wurden Roggen, Gerste, Hafer, Erbsen und Buchweizen. Die Korngewinnung wie auch die Pferde- und Schafzucht waren das wichtigste. Die holsteinsche Koppelwirtschaft war eine geregelte Feldgraswirtschaft auf festen, meist eingefriedeten Koppeln.

1801 fiel Kölzow durch Kauf an Joh. Daniel Haß und bald darauf an Joh. Hartwig Hundt.

1803 erlangte es der Engländer William Paxton. Noch im selben Jahr erhielt es Joachim Christian Dugge, der es 1806 aus finanziellen Gründen aufgeben mußte. Seine Gläubiger wünschten eine Brandversicherung der Kölzower Mühle in Fahrenhaupt. Die Kreditgeber verkauften das Gut Kölzow 1809 an Bernhard Philipp Berkemeyer.




 
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