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DIE NACHKRIEGSZEIT IM 17. JH.

1645-1691 Pastor Heinrich Rodbert




 

1645 hatten die Patrone von der Lühe Heinrich Rodbert zum Pastor berufen. Er fand bei seiner Ankunft auf der Pfarre
"nichts als einen bloßen Brink".
1647 fing Pastor Heinrich Rodbert an, die
"Weden zu bauen mit meiner schweren Arbeit. Fleiß, Mühe, Kosten".




 

Tonnengewölbe im Kirchenschiff 




 

Nach dem 30 Jährigen Krieg 1649 war die Kirche ohne Dach. Die Balkendecke wurde durch ein Tonnengewölbe ersetzt. Das Turmdach hatte ein großes Loch. Der Pastor Heinrich Rodbert wirtschaftete selbst mit der Maurerkelle und brachte so allmählich den Bau zustande. Der Acker gab nicht das Saatkorn wieder, weswegen Pastor Heinrich Rodbert ihn entmutigt »in Ruch und Busch« liegen ließ.
"Weil auch mein Ackerwerk so schlecht, daß davon das liebe Brot nicht haben kann, gehet also des Geld, so die Herren von der Lühe mir gutwillig reichen, an Brot und Bierkorn, an Dienstboten- und Taglöhnerlohn, da alles ausrotten und aus der Heyde arbeiten muß und dazu großen Viehschaden erlitten, wieder auf. Das so bewandte Sachen mit meinem armen Weib und sieben theils noch kleinen Kindern fast nicht zu erhalten weiß".

1649 herzögliche Visitation. Die mecklenburgischen Herzöge wußten um die Not im Lande, einen genauen Überblick über die wirtschaftlichen, kirchlichen und sittlichen Zustände erbrachten die ab 1642 durch das Land ziehenden Visitationskommissionen. Kölzow wurde am 6.April 1649 visitiert. Die Gemeinde bestand nur noch aus elf Männern und vierzehn Frauen sowie den Kindern! Waren vor dem Krieg in Kölzow 6 Bauernhöfe und 10 Kossaten zu Hause, waren jetzt nur noch 3 Höfe vorhanden. Auch in den Nachbarorten hatte der Krieg tiefe Wunden geschlagen. In Wöpkendorf lebten 6 Bauern und 9 Kossatten mit ihren Familien, den Krieg überlebt hat nur der Kossatte Hans Schley. In Dammerstorf war nur noch eine Bauernstelle besetzt. Der Meierhof Lütgen Gnevitz total verwüstet. Aus dem Jahr 1649 ist außerdem bekannt, daß es in der Gemeinde Kölzow einige wenige Einlieger (grundbesitzlose Arbeitsleute) gab. Sie sollten dem Pastor ein Viertel der Abgaben geben, die die Bauern zu entrichten hätten. 1652 geriet Pastor Heinrich Rodbert in tiefe Schulden da er seine Besoldung von den verwüsteten adligen Höfen nicht erhielt. Der Patron gewährte ihm keine Unterstützung und von der sehr kleinen Gemeinde konnte er kaum Gebühren für Taufen, Trauungen und Beerdigungen erwarten, von Spenden und Opfergeld ganz zu schweigen. 1654 wurde die gesetzliche Leibeigenschaft eingeführt. Darin wurde festgelegt, daß die Bauern und Untertanen samt ihren Frauen und Kindern, der Knecht- und Leibeigenschaft unterliegen und »ihrer Personen selbst nicht mächtig« sind.
Bis 1662 ist keine der 36 »wüsten« Bauern- und Kossatenstellen der Gemeinde wieder besetzt worden. Die adligen Höfe nahmen sich derer nach und nach an. Die Junker von der Lühe konzentrierten sich nun auf den Aufbau eines Gutsbetriebes.




1650 "Revidirte Kirchen-Ordnung"...

Aus unserem Archiv: Wie es mit Christlicher Lehre, Reichung der Sacramenten, Ordination der Diener des Evangelii, ordentlichen Ceremonien in der Kirchen, Visitation, Consistorio und Schulen...




 

Aus unserem Archiv: ... im Herzogthumb Mecklenburg etc. gehalten wird. (M.D.C.L. = anno 1650!)




 



 

Am 30. Oktober 1662 wurde Kölzow erneut auf Anordnung vom Herzog Gustav Adolph visitiert. Die Zahl der abendmahlsfähigen Gemeindemitglieder hatte sich auf 75 erhöht, 1649 waren es nur 25 gewesen. Nach dem Visitationsgottesdienst, zu dem etwa 40 Personen erschienen waren, wurde zunächst mit dem Pastor Heinrich Rodbert ein Kolloquium vor dem Altar abgehalten, das er nur mittelmäßig bestand. Darin wurde die Gemeinde aus dem Katechismus examiniert, deren Prüfung sie "teils schlecht, teils ziemlich" bestand. Auch der Küster irrte sich im Singen zweimal und mußte getadelt werden. Auf Befragen erklärte die Gemeinde einhellig, sie hätte sich über ihren Prediger nicht zu beschweren. Er lehre sie in Gottes Wort und führe ein christliches, unärgerliches Leben. Nur der Junker Hermann von Kardorf auf Wöpkendorf, der mit dem Pastor wegen der Predigergebühren im Streit lag, beschwerte sich über ihn. Der Pastor Heinrich Rodbert hätte im Sommer an einem Sonntage frühmorgens vor dem Gottesdienst Roggen einfahren lassen. Jedoch rechtfertigte sich der Pastor. Er habe es aus Not tun müssen, weil er in Rostock wegen der Teuerung weder Korn noch Brot hätte bekommen können und er sonst mit seinen Kindern aus Mangel an Brot hätte Hunger leiden müssen. Der Gemeinde habe er es auch vorher öffentlich angezeigt, damit sie daran nicht Ärgernis nehmen möchte. Dem Pastor Heinrich Rodbert wird aufgegeben, mit der Gemeinde fleißiger den Katechismus zu üben. Wer den Katechismus mit dessen Auslegung nicht wisse und verstehe, dürfe in Zukunft von ihm nicht getraut und zum Abendmahl zugelassen werden, dürfe auch nicht das Patenamt übernehmen. Der Pastor beklagt sich, daß zu wenige zur Katechismuslehre kommen, und die Gemeinde wird ermahnt, das Arbeiten an den Sonntagen zu unterlassen.

Hermann von Kardorf auf Wöpkendorf, ein Obristleutnant, lag mit Pastor Pastor Heinrich Rodbert 1663 und 1664 im Streit, da er schon seit Jahren kein Meßkorn und keine Predigergebühren an ihn entrichtet hatte. Dies konnte er deshalb nicht zahlen, weil er in wenigen Jahren sein Gut, das früher eine jährliche Einnahme von 800 Gulden erbrachte, völlig heruntergewirtschaftet hatte. Kardorff führte einen »unzüchtigen und wüsten« Lebenswandel. Er drohte dem Pastor an, er wolle ihm,
»wenn er zur Kirche gehen und sein heiliges Amt verrichten würde, eine Kugel schenken und ihn wie eine Taube von der Kirche büchsen«.

Da der Pastor Heinrich Rodbert sich gegen die Beleidigungen und tätlichen Drohungen nicht mehr wehren konnte und sein letztes Geld für die Advokaten in diesem Prozeß ausgegeben hatte, bat er 1664 dreimal in Eingaben an das Konsistorium in Rostock und an den Herzog um eine andere Pfarre.
"Er habe in Kölzow nun fast 19 Jahre das Predigeramt in großer Verfolgung und Armut verwaltet, insbesondere habe der Junker Hermann von Kardorf vielfältigen Frevel an ihm verübt und ihn mit »grewlichen Drohungen« beschimpft. Außerdem sei in Kölzow so ein großer Mangel an Nahrung, daß er sich dort nicht erhalten, noch seinen ehrlichen Namen der vielen Schulden wegen bewahren könne."
Aber die Bittschrift hatte keinen Erfolg. 1667 hatte der Junker noch keinen Heller der rückständigen Abgaben gezahlt.

Am 12. Juni 1667, während der Pastor Heinrich Rodbert auf der Kanzel stand und predigte, brannte das Pfarrhaus ab, das er sich 1645 selbst erbaut hatte.
Er lief "um seine gerade » in Pocken jämmerlich darniederliegenden sechs Kinder«, einige Bücher und die Betten" zu retten.
Dabei trug er große Brandwunden davon. Nun kann, schrieb er
»in dieser Sterblichkeit mein Elend und Armuth nicht größer werden, da ich nicht ein Stücklein Brot, geschweige Kleider und Schuhe, für mein armes Weib und Kinder geborgen habe«.

Zwischen 1668 und 1670 baute Pastor Heinrich Rodbert das Pfarrhaus, das gleichzeitig auch »Vieh-Haus« war und nur »wenig bequeme Gemächer« hatte, wieder auf. 1694 durfte er mit Genehmigung des Patrons eine kleine Studierstube anbauen. Seine vier Hufen Land (ca. 80 Hektar) lagen in der Kölzower Feldmark zwischen den Guts- und noch vorhandenen Bauernländereien verstreut. Sein Acker war in drei Schläge eingeteilt, die wiederum in viele Stücke zerfielen. Ohne ausreichende Arbeitskräfte und wegen Mangel an Zugvieh mußte er große Teile liegen lassen, die dann verwilderten.

1677 war Kölzow eine an Einwohnerzahl arme, öde und wüste Gemeinde. Die adligen Höfe ließen um 1680 große Teile ihrer Ländereien brach liegen. Durch ungenügende Düngung und ungeregelte Hütung der Pferde und Schafe verringerten sich die Erträge immer mehr.

1680 wurde der Bauer Claus Schley aus Wöpkendorf mit herzoglicher Genehmigung der Stadt Ribnitz aus der Leibeigenschaft entlassen.

1687 bewirkte Pastor Heinrich Rodbert die Genehmigung, bei eigener Bereitstellung des Holzes, kostenlos Salz unter einer der herzoglichen Salzpfannen in Sülze zu gewinnen. Dadurch besserte er sein Einkommen um jährlich 4 Taler auf. Der Pastor hatte Anteil an der Mast- und Fischereigerechtigkeit. So konnte er bei guter Mast vier Schweine und bei schlechter Mast zwei Schweine in den Wald treiben. Fischen durfte er im Hundesohl, nicht weit vom Kirchhof, der ganz zugewachsen ist.
»Das Futter oder Gras dennoch dem Prediger gehöret, welches sich der Lieut Gercken aneignen wollte. Des weiteren im Papensohl, das weit in der Heide nach Dudendorf lag, und die wenigen Fische, die es enthielt, von Dieben daraus gestohlen wurden.«
So wurde auch aus seiner "Hölzung im Papenberge Buschwerk von Kneßern und Kölzowern »abgehauen und weggestohlen«.

Auf dem Steinkamp hatte er ein kleines Ellern Stück und 16 Morgen Acker.
»...ein Stück zwischen den Hoftannen sind zum Theil mit jungen Tannen und Birken bewachsen, welchen er zu seinem geringen Nutzen anwendet, übriges Brennholz daher von denen Eingepfarrten erbittet. Das Pfarrhaus, Pfarrzimmer und Küsterey sind in schlechtem Zustand. Das Witwenhäuschen ist zum Teil von denen Kirch - Intraden, zum Teil von der Collecte, zum Teil von dem geschenkten Holz und Stroh gutherziger Gönner und Leute und williger Hülfe des Kirchspiels auf bittlichem Ansuchen meines sehligen Vaters, aber am meißten durch deßen Fleiß, Kosten und Arbeit erbauet worden und wird jetzo von der Heuer, so Prediger hebt, unterhalten, bis selbiges eines Predigers Witwe beziehet, woher aber selbige ihre Subsistence nehmen soll, wird die Zeit lehren«.

Pastor Rodbert wirkte 46 Jahre in Kölzow. Im Alter von 72 Jahren wurde ihm 1691 sein Sohn als Stellvertreter beigegeben, der nach dem Tod des Vaters die Nachfolge antrat.
Die miserable soziale Lage der kleinen Kirchgemeinde wirkte sich sehr hemmend auf das kirchliche Leben und die mit ihm verbundenen schulischen Verhältnisse aus. So konnte z.B. das Amt des Kirchenvorstehers nach dessen Tod bzw. Wegzug nicht mehr besetzt werden
»weil alhie zum Vorsteher-Ampt fast keine tüchtige Persohn unter den gar wenigen eingepfarrten Haußleuten, viel weniger, daß einer pacabel die Rechnung zu führen...«.

An den Sonntagen fanden vor- und nachmittags Gottesdienste statt. Die Nachmittagsgottesdienste wurden ungenügend besucht, da die Bauern aufgrund der vielen Hofdienste wenig Zeit dazu fanden. Im Winter wurde nur eine Predigt gehalten, weil die Eingepfarrten zum Teil einen weiten Weg hatten. An den hohen Festtagen wurde nachmittags die Epistel erklärt.




Aus unserem Archiv:

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Textholzschnitte aus der Neuausgabe der Mecklenburgischen Kirchenordnung von 1650

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