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REFORMATION & 30JÄHRIGER KRIEG

1548-1568 Pastor Markus Schulte




 

In Mecklenburg wurden protestantische Prediger erst ab 1524 eingesetzt. Am 18. April 1548 war es dann auch in Kölzow soweit. In einem Vertrag zwischen den Gebrüdern von der Lühe auf Schulenberg und Kölzow und dem Prediger Marcus Schulte wurde diesem jährlich 15 Mark an Einkünften zugesichert.
„... tho erholdinge des Predicanter und Karckherren de Kercken to Kölzow tho Morgen Ackers mit samt der Worth und Vicarien Kathen wedderümme afftreten unde thostellen, damit man desto stattlicher einen gelehrten Mann und Seelsorger unterhalten und er seine gebührliche Nahrung bekommen möge.“

Die Gebrüder von der Lühe auf Schulenberg sollten dem Prediger ab 1548 jährlich 15 Mark an Hebungen geben. Sie hielten es mit den Pachtzahlungen aber nicht so genau, denn 1568 klagten ihre Vettern aus Kölzow beim Herzog,
„ da die Pacht schon 17 Jahr ausblieb“.

Die von der Lühe's in Kölzow erbauten sich 1548 einen neuen Hof. Kurzerhand eigneten sie sich die nahen und fruchtbaren Kirchenhufen an. Dem neuen Pastor drehten sie als Ausgleich ein weit entlegendes und nicht urbar gemachtes Stück Land an.

1549 war das offizielle Jahr für die Reformation in Mecklenburg, die vom Herzog verkündete Konversion aller mecklenburgischen Untertanen vom Katholizismus zum Protestantismus.

Aus der Amtszeit von Pastor Marcus Schulte ist einige Jahre später noch über einen anderen Streitfall zu berichten. Im Jahre 1567 beschuldigten die Junker Jürgen und Christoffer von der Lühe auf Kölzow die Junker Curt und Joachim von Zeppelin auf Alt Guthendorf, daß sie ihre Untertanen im Dorf Dettmannsdorf davon abhielten, dem Pastor von Kölzow dasjenige zu geben, was sie ihm schuldig wären. Daß sie vor allem seinen Acker nicht pflügen, säen und mähen wollten. Die Junker von Zeppelin befragten daraufhin ihre Bauern in Dettmannsdorf und erhielten von diesen folgenden Bericht:
"Sie hätten dem Pastor bisher alle Wege getan, die sie ihm von alters her schuldig gewesen. Nun hätten die Junker von der Lühe dem Pastor die zwei Hufen Kirchenacker, die er im Kölzower Felde hätte, zum größten Teil weggenommen und ihm dafür anderen Acker, weit vom Dorfe gelegen, in einem Felde nach Dudendorf gegeben, der aber noch mit Holz, Busch und Heide bewachsen ist. Diesen Acker sollten alle Kirchspielleute für den Pastor ausroden, pflügen, säen und mähen. Dadurch würde eine Neuerung eingeführt, die sie nicht zu tun schuldig wären".
Die Junker von Zeppelin drohten den Junkern von der Lühe auf KöIzow an, daß sie deren Untertanen im Dorf Dettmannsdorf zu ihrer eigenen Kirche nach Marlow legen würden, falls sie es nicht bei den alten Rechten belassen würden. Sie könnten nicht zulassen, daß ihre Bauern in Dettmannsdorf "... den Herren von der Lühe zu deren Pfarre in Kölzow dienen sollten, da sie zu diesem Dienst nicht verpflichtet wären!".




1569-1612 Pastor Bernhard Nicolai

Am 31.03.1569 fand die Wiedervereinigung der ehemals nach Kölzow verlegten Dörfer Fahrenhaupt und halb Kneese mit der Kirche Marlow statt. 1569 beriefen die Junker von der Lühe zu Kölzow, als Patrone der Kirche, den Pastor Bernhard Nicolai zum Nachfolger des Marco Schulte aus Osterwieck. Er bekam zwei neue Hufen Land zum Lebensunterhalt zugewiesen. Der Acker lag in "Busch und Rusch", bei größter Anstrengung gelang es ihm nicht das Land urbar zu machen. .

Am 3.Mai 1574 erfolgte das Urteil des Mecklenburgischen Hofgerichtes in Sachen Pachtzahlungen aus Schulenberg an die Kölzower Kirche. Die Junker von der Lühe auf Schulenberg wurden zur Zahlung aller rückständigen Pachtzahlungen von 1530 bis 1548 und 1552 bis 1574 verpflichtet. Die Junker von der Lühe auf Schulenberg zahlten.

Als kurze darauf der Ritter Rupert von Vieregge auf Dammerstorf 1583 die Pfarrabgaben verweigerte und auch keine Hilfe am Pfarrhausbau leistete, trat der Pastor Bernhard Nicolai der Herrschaft mutig entgegen. Vor versammelter Gemeinde nahm der Pfarrer ihm und seiner Ehefrau keine Beichte ab, so dass diese nicht am Abendmahl teilnehmen konnten und letztendlich doch zahlten.

Als Pastor Nicolai nach 43 Dienstjahren 1612 starb, stand der Pfarre ausreichend Kapital zur Verfügung um Junker Gebhard von Kardorff auf Wöpkendorf 262 Gulden gegen Zins auszuleihen. Die Gemeinde war auf stattliche 41 Bauern- und Kossatenstellen angewachsen.

In Kneese bestand im 16. Jahrhundert eine "Fillialkapelle" der Kölzower Kirche.




1620 und ein Apfelbäumchen

In der Zeit um 1620 könnte sich auch jene Geschichte zugetragen haben, die sich um den etwa 400 bis 500 Jahre alten Wildapfelbaum rankt, der zwischen Ehmkendorf und Stubbendorf wächst.
»In längst vergangener Zeit soll an der Stelle, wo die damaligen drei Güter Kölzow, Ehmkendorf und Stubbendorf zusammenstießen, ein fremder Handwerksbursche tot aufgefunden worden sein. Da der Grund und Boden, auf dem er lag, nicht mit Sicherheit zu Kölzow, Stubbendorf oder Ehmkendorf gehörte und ihn daher zunächst keiner von den genannten Gütern begraben wollte, einigte man sich schließlich dahin, daß der Boden demjenigen zu gerechnet werden sollte, der den Toten bestatten würde, Dennoch waren weder die Kölzower noch die Ehmkendorfer dazu bereit, und so übernahmen es schließlich die Stubbendorfer. Seit dieser Zeit ist das Stückchen Land, auf dem der Wildapfelbaum wächst, unumstößlich Stubbendorfer Gebiet. «




Wildapfelbaum 2006 vor dem Auseinanderbrechen

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1620-1630 Pastor Jacob Vick

1620 verkaufte der Patron Curt von der Lühe seinen Anteil an Lütken Gnevitz und zwei Pfarrhufen, die dort lagen, an Vollrath von der Lühe auf Schulenberg. Pastor Jacob Vick stimmte dem Verkauf der Pfarrhufen zu und erhielt zwei andere Hufen Land auf Kölzower Felde.

Nach der Besetzung Mecklenburgs durch Wallenstein 1627 wüteten die Kämpfe nun im ganzen Land. Allein 1629, das Jahr nach der Belagerung Stralsunds, starben in der Kirchgemeinde Kölzow 73 Menschen!




 

Die Belagerung Stralsunds Foto: Wikipedia




 

Als Pastor Jakob Vick 1630 starb, war der spätere Domprediger in Schwerin Johann Susemihl für Kölzow ausersehen. Er wurde aber von den Patronen nicht eingesetzt, da er die Witwe nicht heiraten konnte (wollte). Eine Witwenversorgung gab es nicht, so mußte der nachfolgende Pastor die Witwe seines Vorgängers auf Lebzeiten mit unterhalten. Laut Witwenvertrag hatte sie Anspruch auf ein Zehntel der festgesetzten Hebungen (Einkünfte) und auf ein Zwanzigstel der Pfarreinkünfte. Es reichte gerade zum Existenzminimum. So mußte oft der nachfolgende Pastor die Witwe des Vorgängers heiraten.






1632-1644 Pastor Joachim Possel




 

Im Juni 1631 rückten die Schweden in Mecklenburg ein und vertrieben bis Januar 1632 die kaiserlichen Truppen. Die schwedischen Besatzer zogen sich 1637 zurück. Sie hinterließen verbrannte Erde.

Auch die Bevölkerung des Kirchenspiels Kölzow suchte mit ihrem Pastor Joachim Possel Schutz in Rostock. Er brachte Wertgegenstände und Dokumente der Kölzower Kirche in Sicherheit und "... setzte sich daselbst in eine Lade unter seinen eigenen Sachen verwahrlicht nieder.".

Der Zustand Mecklenburgs war trostlos. Der schwedische General Bander beschreibt die Situation so:
" In Mecklenburg ist nichts als Sand und Luft, alles bis auf den Erdboden ist verheert. Dörfer und Felder sind mit krepierendem Vieh besäht, die Häuser voller toter Menschen. Der Jammer ist nicht zu beschreiben."

Zwei von den vorhandenen drei Glocken der Kölzower Kirche sind im Jahre 1638
"entzweigeschlagen, herausgeworfen, weggeraubt« und in der Stadt Stralsund und anderswo verkauft ".




 



 
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