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 DIE GLOCKEN
Die Kirchenglocken von Kölzow
Das Geläut vor 170 Jahren
90 Jahre Eisenhartguss-Glocken
Die Glocken im Fokus der VideoCam

DIE GLOCKEN - DIE LETZTEN 90 JAHRE

Die Glocken in Kölzow - Eine schwere Geburt

Seit fast 90 Jahren besitzt die Kölzower Kirche ein Dreigeläut. Im Archiv ist an Hand der fein ordentlich von Pastor Pegler geordneten Dokumente, eine aus heutiger Sicht spannende Geschichte zu entdecken. Bis Ende 2012 taten die 3 Glocken wie selbstverständlich ihren Dienst, aber 1923? Kurz nach dem Ersten Weltkrieg eine, für Mecklenburger Verhältnisse, so "große Sache" glücklich zu Ende zu bringen, nötigt auch heute Hochachtung ab. Niemand rechnete damals mit der katastrophalen Hyperinflation.
Der Vertragsentwurf der Firma Ulrich & Weule belief sich am 6. Juli 1923 auf zwanzig dreihundertfünfundachtzig Millionen Mark. Nach erfolgter Auslieferung und Montage mußte die Kirchgemeinde Kölzow keine 3 Monate später die gigantische Summe von einer Milliarde vierhunderteinunddreißig Millionen achthunderteinundsiebzig Tausend Mark begleichen. Hersteller und Kirchgemeinde verfielen zwischendurch in Panik. Der Ton im Briefwechsel schlägt von "freundlich, partnerschaftlich" in "angstvoll, aggressiv" um. Immerhin ist das Werk gut gelungen. der Gutachter hebt vor allem die Klangschönheit der großen A-Glocke hervor.
Nach Klärung der Finanzen ( die alte kleine Bronzeglocke behielt Firma Ulrich & Weule als "Wertausgleich"), konnte Ende des Jahres dann doch noch das Geläut erstmals erklingen.Von kleineren Reperaturen abgesehen, tut es das bis zum heutigen Tag.




19. Juni 1922

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6. Juli 1922

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14.06.1923 - Infopost

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6. Juli 1923 - Das Angebot




15. Juli - Die Inschriften

Abstimmung der Inschriften 




19. Juli 1923 - Die Auftragsbestätigung

Auftragsbestätigung durch den Hersteller 




18. August 1923 - Die Herstellerbescheinigung

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18. August 1923 - Das Gutachten des Herrn Jänisch

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Gutachten
über ein Dreigeläut für die Gemeinde Kölzow.

Auf Veranlassung der Firma Weule habe ich am 15. August a. das für die
Gemeinde Kölzow gegossene Dreigeläut aus (Herzl?)
in Bockenem untersucht. Sowohl nach (Sechte?) der technischen Aus-
führung als auch inbezug auf Tonqualität entsprechen die Glocken
den Bedingungen des Vertrages. Alle 3 Glocken präsentierten sich in
tadellosen Stahlguß, gefälliger Form und sauber geprägten Inschriften.
Sie werden gleichfalls an von der Firma Weule gelieferten
geraden, schmiedeeisernen Jochen aufgehängt.
Vor der Ablieferung erhält jede Glocke einen dunkelfarbigen Ölanstrich
zum Schutz gegen Rost, dieser Anstrich muß etwa alle 5 - 10 Jahre
erneuert werden. Die akustische prüfung mittels Appunscher Stimm-
gabeln ergab folgendes Klangbild:

A - Glocke
1. Grundton: a (hoch 1) genau
2. Schlagton: a (hoch 1)
3. Terz: c (hoch 2) ein wenig höher
4. Quinte: e (hoch 2) genau
5. Oberoktave: a (hoch 2) genau
6. Unteroktave: a (hoch 0) genau

Cis - Glocke
1. Grundton: cis (hoch 2) etwas höher
2. Schlagton: cis (hoch 2)
3. Terz: e (hoch 2) ein wenig höher
4. Quinte: zwischen g (hoch 2) und gis (hoch 2)
5. Oberoktave: -
6. Unteroktave: cis (hoch 1) etwas tiefer

E - Glocke
1. Grundton: e (hoch 2) wenig höher
2. Schlagton: e (hoch 2)
3. Terz: g (hoch 2) ziemlich genau
4. Quinte: -
5. Oberoktave: -
6. Unteroktave: e (hoch 1) etwas tiefer

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Der mittleren und kleinen Glocke neigt sie ein wenig nach oben;
doch ist die Abweichung von der normalen Tonhöhe für das
unbewaffnete Ohr belanglos, so daß die Klangwirkung dadurch
keineswegs beeinträchtigt wird. Beim Anschlag mit losem Klöppel
ließ jede Glocke einen nach Maßgabe ihrer Größe vollen, kräftigen
Ton mit langem Nachhall vernehmen.
Die A-Glocke zeichnet sich besonders durch Klangschönheit aus,
je größer die Glocke, desto schöner der Klang.
Dies Wort gilt besonders für Stahlglocken. Der zusammenklang
aller 3 Glocken war von schöner harmonischer Wirkung mit
leichtem Molleinschlag wegen der kräftig mitklingenden kleinen
Terz c der A-Glocke. Auf Grund des Prüfungbefundes empfehle
ich der Gemeinde die Abnahme des Geläutes.

Aschersleben, d. 18.August 1923
o. Jänisch,
amtl. Glockenberater

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Liquidation
Für die Untersuchung eines Dreigeläutes, Ausfertigung eines
schriftblichen Gutachtens, Entschädigung für Reisen und Unterhalt
am 14. und 15. August ("a" ?), Porto- und sonstigen Auslagen
erlaube ich mir, der Gemeinde Kölzow

"drei Goldmark"

zu berechnen.

Aschersleben, d. 18. August 1923

O. Jänisch

amtlicher Glockenberater
Konto bei der Ascherslebener Bank in Aschersleben
Postfachkonto: Magdeburg 1504
Reichsbank-Giro-Konto

(Übertragen von Hartwig Bork)







27. September 1923 - Ein Milliardenscheck

Die Kuh war vom Eis... 




 
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