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 DAS GELÄUT VOR 170 JAHREN
Podcast: Großmutter
 DIE GLOCKEN
Die Kirchenglocken von Kölzow
Das Geläut vor 170 Jahren
90 Jahre Eisenhartguss-Glocken
Die Glocken im Fokus der VideoCam

DIE GLOCKE(N) IM 19.JAHRHUNDERT IN KÖLZOW

Was Großmutter erzählt...

Ottilie Goeth, geb. Fuchs, wurde am 27. Februar 1836 als zweitjüngste Tochter von Pastor Adolf Fuchs in Kölzow geboren. 1845 wanderte die Familie Fuchs in die USA aus. Ihren Lebenserinnerungen ("Was Großmutter erzählt", erschienen 1915 in San Antonio, als Neudruck im Verlag Uwe Laugwitz erhältlich) verdanken wir die Beschreibung einer glücklichen Kindheit in behüteter Kölzower Idylle:

So trete ich auch heute noch einmal als Kind durch den breiten Torweg in den Pfarrhof. Zu beiden Seiten liegen Stallungen, woran rechts der Garten stößt. Links ist ein hübscher Teich, teilweise mit Weiden umgeben. Zum Hause für eine breite Steintreppe hinauf, an jeder Seite derselben befindet such ein Rosengärtchen. Die Fenster sind mit Weinlaub umrankt... Denn es ist Sonntagmorgen, schon klingt die Glocke, die Vater hat gießen lassen. Im offenen Wagen ist sie angekommen, glänzend und neu, ein Eichenkranz liegt darauf. Darin gegossen ist die Inschrift: "Ehre ist Gott in der Höhe". Und, auf die inständigste Bitte der Kirchenbehörden, ist auch des Vaters Namen dort zu lesen. Ehrfurchtsvoll war sie hinaufgezogen an starken Strängen, hoch auf dem Glockenstuhl, von wo aus sie die Pfarrkinder sollte zum Gebete rufen. Und horch, es tönt, leise erst in sanfteren Vibrationen und nun voller und voll in der ernsten frommen Weise, die der Meister geheimnisvoll in sie verwoben. Andächtig lauscht die Kirchenschar: die Männer haben die Hüte abgenommen, stumm, ergriffen steht jeder, denn um die Kirche ist ja auch der Friedhof, wo die Lieben schlummern zum ewigen Schlaf. Die Ewigkeit ist auf allen Zügen ausgeprägt, auf diesen ernsten Gesichtern, es ist fast zu ernst, und suchend blickt die Menge den, welcher zwischen Tod und Leben zu vermitteln sucht. Und siehe, er naht, der geliebte Seelsorger, im Prediger-Ornat, gefolgt vom Küster, das Wort Gottes unter dem Arm, die Liebe und Hoffnungen christlicher Tröstungen im warmen Herzen. Und die Glocke tönt lauter, als er näher tritt, und die Augen aller blicken auf ihn, der mir im Augenblick wie ein Heiliger erscheint, und den niemand anzureden wagt. Stumm Sitze ich in der Kirche, stumm und andächtig höre ich, was der Vater spricht...

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